Bilanzierung und Abwicklung zurück «-» weiter


Da das Ellhorn-Ellstein-Profil, sowie die Bergwerks-Profile sehr kurz sind, haben wir beschlossen, nur deren abgewickelte Länge zu bestimmen, ohne ein abgewickeltes Profil zu zeichnen. Wir konzentrierten uns somit auf das Seeztal-Profil (Fig.14-11). Die Abwicklung und Bilanzierung dieses Profils hat jedoch einige Schwierigkeiten geboten:
  • Schief zum Profil stehende Faltenachsen, insbesondere diejenige der Bleichi-Falte, suggerieren lokal deutlich zu dicke Schichtmächtigkeiten.
  • Als Kulissenprofil erstellt, ergeben sich Ungenauigkeiten bei den Übergängen zwischen den einzelnen Teil-Profilen.
  • Der Rundchopf-Bruch, welcher die Schuppen im Profil durchschlägt, bietet durch seinen nicht konstanten Versatz und der durch ihn verdeckten komplizierten Strukturen einige Probleme.
  • Primäre Mächtigkeitsschwankungen erschweren die Bilanzierung.
  • Die N-S gerichtete Überschiebungsrichtung liegt schief zu den Faltenachsen und somit auch zum Profil.
Die Bilanzierung beschränkt sich auf die 3 Glieder der Quinten-Formation, da diese am besten aufgeschlossen sind, relativ konstante Schichtmächtigkeiten aufweisen und die kompetenteste Serie bilden. Die Bilanzierung wurde wie folgt vorgenommen (siehe Fig. 14-19): Als erstes wurden die 3 Formationsglieder der Quinten-Formation in Segmente unterteilt, deren Begrenzungen entweder durch Ab- oder Überschiebungslinien oder mittels Pin-Lines definiert wurden. Die Pin-Lines wurden an geeigneten Standorten in den Faltenscharnieren oder den möglichst undeformierten aufsteigenden Schuppenschenkeln gesetzt. Als nächstes wurden die Flächeninhalte der einzelnen Segmente bestimmt. Diesen entsprechend wurden sodann flächengleiche Rechtecke aneinandergereiht aufgezeichnet, deren Höhe den jeweiligen durchschnittlichen Schichtmächtigkeiten entsprach. Waren diese nur ungenau zu bestimmen, konnten auch die Schichtlängen der Segmente dienlich sein, um damit die Länge der Rechtecke zu bestimmen. Damit handelt es sich hier um eine Art kombinierte Längen-Flächen-Bilanzierung mit Schwergewicht auf letzterem. Um nun ein abgewickeltes Profil zu erhalten, mussten die verschiedenen Rechtecke so ineinandergeführt werden, dass die zueinandergehörenden Ecken sich berühren und gleichzeitig die Flächeninhalte der Segmente konstant geblieben sind. Der Top des Oberen Quintnerkalkes wurde dabei als horizontal liegend angenommen. Da bei Sargans das Ende der Vorderspina-Schuppe nicht aufgeschlossen ist und die komplizierten Verhältnisse an der Tschuggen-Schuppen-Stirn vieles vorenthalten, ist im abgewickelten Profil zwischen den beiden Schuppen eine Lücke entstanden, deren Ausmass jedoch als nicht sehr gross angesehen wird. Gleichwohl ist die grosse Mächtigkeitsänderung gut ersichtlich, welche auf den diskutierten synsedimentären Bruch schliessen lässt. Das grösste Problem bildete die Stellung des obersten Teiles des Oberen Quintnerkalkes der Vorderspina-Schuppe. Dieser befindet sich heute in der Spina-Zwischenschuppe und eventuell auch über der Front der Vorderspina-Antiklinalen. Er kann, wie bereits erwähnt, wegen den sich dort darauf befindenden Zementstein-Schichten nicht so ohne weiteres auf den rückwärtigen Teil der Vorderspina-Schuppe gelegt werden. Um zu zeigen, wie gut diese Schichtglieder jedoch dorthin passen, haben wir sie im abgewickelten Profil trotzdem dort beheimatet, im Wissen, dass es sich hierbei um ein 3D-Problem handeln muss, welches in einem einfachen 2D-Profil wie diesem nicht zu lösen ist.


Abwicklung der Quinten-Formation des Seeztal-Profils:

  1. Das Seeztal-Profil mit den wichtigsten Überschiebungen und den Pin-Lines
  2. Aneinandergereihte Rechtecke, welche den einzelnen Abschnitten entsprechen. 4-fach überhöht.
  3. Abgewickeltes Profil. 4-fach überhöht


Wie im abgewickelten Profil ersichtlich, besitzen die Schichten zwischen der Ragnatscher-Synklinale und der Gonzen-Überschiebung auf Niveau Erzhorizont eine Länge von 11km, von denen rund 3,4km zur Strahlegg-, 4,3km der Vorderspina- und 3,3km der Tschuggen-Schuppe anzurechnen sind. In Profil 5 des Bergwerkes ist von einer der Gonzen-Überschiebung entsprechenden Lage aus (welche hier wahrscheinlich fehlt) bis zur Schollberg-Überschiebung, eine Länge von 1,9km zu messen. Die Schollberg-Schuppe ist gerade noch 1km lang, bevor der Kontakt zwischen Unterem Quintnerkalk und Plattenkalk in die Ebene des Rheintales abtaucht. Die minimale Distanz, welche die Schichten unter der Rheinebene zurückzulegen haben, damit sie nahtlos am Ellhorn-Ellstein-Profil angeknüpft werden können, beträgt etwa 2,5km. Dem Verkehrtschenkel der Ellhorn-Falte kommen 700m zugute, während sich der Kontakt oberhalb der Faltenverscherung bis und mit Ellstein, wo er endgültig abtaucht, auf 2,4km beläuft. Summieren wir diese Zahlen zusammen, so erhalten wir, von der Ragnatscher-Synklinale bis zum Ellstein gemessen, eine minimale, abgewickelte Länge von 19,5km, was einer Verkürzung von 63% entspricht. Dies unter der Annahme, dass die Schichten unter dem Rheintal keine weiteren Verschuppungen oder Verfaltungen aufweisen. Hängen wir die restlichen Schuppen bis zur Front der Lüsis-Schuppe, die Walenstadter Zwischendecke lassen wir ausser acht, ebenfalls an (3+6,4+5.8km=15,2 km, aus dem Profil von TRÜMPY (1969) herausgemessen), so erhalten wir eine Länge für den gesamten Malm des Unteren Glarner Deckenkomplexes von 34,7km (entspricht 48% Verkürzung).


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Diplom - Sargans
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