Das Bergwerk Gonzen - Eine Einführung  zurück «-» weiter


Unsere regional- und strukturgeologischen Untersuchungen beschränkten sich nicht nur auf Oberflächenanalysen, denn in einem Teil unseres Untersuchungsgebietes haben wir zusätzlich auch einen Einblick in das Innenleben des Malm-Stockwerkes. Diese einmalige Möglichkeit verdankten wir dem weitverzweigten Stollensystem des Eisenbergwerkes Gonzen, welches vorwiegend im Gebiet zwischen dem Gonzengipfel und Mumpertjöris in den Malm-Schichten der Gonzen- und im südlichen Bereich der Tschuggen-Schuppe angelegt wurde. Bis zur Stilllegung im Jahre 1966 wurden rund 5.5 Millionen Tonnen Eisen- und Manganerze abgebaut. Der Erzhorizont ist nur geringmächtig (meist weniger als zwei Meter). Er erstreckt sich über eine Fläche von über 3km2 und wurde durch ein Gewirr aus ungefähr 90 Kilometer Stollen und Galerien abgebaut, welche Höhendifferenzen zwischen 320 bis gegen 1500m Meereshöhe überwinden. 52 Kleinkern- und 36 Tiefbohrungen wurden abgeteuft, einige davon auch in Gebiete, welche später nie erschlossen wurden.

Kartenausschnitt mit dem durch das Gonzen-Bergwerk erschlossenen Gebiet, sowie den alten Gruben, Zugangsstollen und wichtigsten Tiefbohrfeldern.



Der Erzhorizont (und somit auch die Abbaufelder des Bergwerkes) bilden eine grosse überkippte Falte, welche im Mittelschenkel zerschert ist. Diese Falte nannte EPPRECHT die „Gonzen-Falte“. Der Bereich oberhalb der Überschiebung gehört zur Gonzen-Schuppe, derjenige unterhalb der Überschiebung zur Tschuggen-Schuppe. Die Überschiebung ist aber nur westlich von Naus vorhanden, so dass man im östlichen Teil von einer zusammengehörenden Gonzen-Tschuggen-Schuppe sprechen muss, die eine grosse Falte mit überkipptem Mittelschenkel bildet. Folgende Abblildung zeigt in einem schematischen Profil die stark bergwerkssprachlich anghauchte Nomenklatur der Strukturelemente:

Schematisches Profil mit den wichtigsten tektonischen Elementen des Erzhorizontes im Bergwerk



Geschichte und Abbaumethoden des Eisenbergwerkes Gonzen

Der Betrieb bis 1800
Die ältesten Schlackenfunde, welche eindeutig vom Gonzen stammende Erzresten enthalten, weisen ein Alter von 200 v.Chr. auf. Der erste urkundlich gesicherte Bergbau-Beleg stammt allerdings erst aus dem Jahre 1396. In all den Jahrhunderten war das Bergwerk nicht fortlaufend im Betrieb, es gab Blütezeiten wie auch Perioden, wo die Arbeiten stillstanden. Die frühsten Abbauten, die bis in die vorrömische Zeit zurückgehen, dürften in der Nähe des oberen Einganges der Grube I liegen. An dieser Stelle etwas südöstlich des Scheitels konnte das an der Oberfläche anstehende Erz leicht abgebaut werden, ein langer Schlitz, die Tagbaukerbe, belegt diesen frühen Abbau. Die einzelnen Abschnitte des frühen Untertagabbaues lassen sich nicht genau datieren und rekonstruieren: Der Hauptabbau konzentrierte sich in der Frühzeit und den Blütezeiten im 15. bis 19. Jh. auf die Grube I, in welcher sogar bis 1918 abgebaut wurde. Im Weiteren wurden in der Grube II (1842 wiederentdeckt) und IV (vorwiegend 1764-1774) grössere Erzmengen gefördert. Die Grube III und das Abliswerk mit dem auf der Follaplatte „klebenden“ Vorkommen waren unbedeutende Abbaufelder. Bis mindestens ins 18. Jh. hinein wurde das Erz mit der Methode des „Feuersetzen“ abgebaut: Durch das Anzünden von Holzstössen am Abbaurand wurde das Erz mürbe gemacht, Abschrecken mit Wasser verstärkte diesen Effekt. Dank den entstandenen Rissen konnten die Erzstücke relativ leicht abgeschlagen werden. Diese Abbaumethode führte zu meist gewölbeartigen Decken, da das Dach immer wieder erhitzt worden ist und mehrfach hinunterbröckelte. Deshalb war es in diesen Gruben schwierig, gute Schichtmessungen zu machen. Man schätzt, dass in diesen frühen Zeiten ca. 90000 Tonnen Erz abgebaut wurden.

Der Betrieb im 19. Jahrhundert
Von 1823 bis 1873 wurde durch die Familie Neher vor allem die Gruben I und II ausgebeutet. Die Erzbrocken wurden nun durch Sprengungen gewonnen. Dank dem Sprengen löste sich das Material schichtparallel. Die entstandenen Decken sind somit parallel zur Schichtung orientiert, was unsere strukturgeologischen Untersuchungen erleichterte. In dieser Zeitspanne wurden ungefähr 140000 Tonnen Erz gefördert.

Der Betrieb im 20. Jahrhundert
Die Bergrechte gingen 1919 an die Eisenbergwerk Gonzen AG (EGAG) über, an der vor allem die Firmen Sulzer AG, Georg Fischer AG und Neher AG beteiligt waren. Aufgrund verschiedener Gutachten (unter anderem von Alb. Heim) wurde 1917 von Naus (1000 m ü.M.) aus der Naus-Stollen in Angriff genommen, welcher in den Scheitel der Gonzen-Falte führt. Durch diese Naussohle wurde alles von 1920 bis 1953 abgebaute Erz ans Tageslicht gefördert. Zuerst baute man mittels den Bremsbergen den Erzhorizont oberhalb der Naussohle ab. Im Jahre 1930 begann man, dem Erz auch in die Tiefe zu folgen und errichtete die Gesenke I-IV. Der Abbau im gesamten Scheitel erfolgte nach dem Prinzip des „streichenden Strebbaues“ (Fig. 15-3): Ungefähr auf dem Faltenscheitel parallel zum Erz baute man ein Bremsberg (oder Gesenk), von diesem aus wurde längs den Höhenlinien etwa alle 10m (Höhenunterschied) im Erz Galerien nach rechts und links gebaut. Zwischen zwei Galerien wurde das Erz längs dem Streichen der Erzschicht folgenden Abbaurändern weggesprengt. Je nach Lage in der Falte waren die Abbauten 25-80° steil. Etwa 10-15% der Schicht wurde jeweils als Pfeiler zur Stütze der Decke stehen gelassen, wobei vorwiegend schlechte Partien (viel Pyrit, tektonisch gestört) geopfert wurden. Infolgedessen folgen die kleinen Brüche meist den Pfeilern. Das gesprengte Material wurde über die Galerien in die Bremsberge/Gesenke transportiert und über diese zur Naussohle gebracht.
1927 wurde ein Stollen auf 645m ü.M. beim Wolfsloch oberhalb Trübbach in Richtung der nordöstlichen Fortsetzung in Angriff genommen. Diese Wolfslochsohle stiess jedoch erst 1937 auf das Erz. Verschiedene Verwerfungen hatten zur Folge, dass das Lager immer knapp verfehlt wurde. Da man lange im Dunkeln tappte, in welchen Schichten man sich bewegte, wurde aufgrund von Wünschelruten-Prognosen und Gutachten von Prof. M. Reinhard einen Querstollen (Reinhardstollen) mit zwei Aufhauen errichtet. Dieser Stollen führte auch zu keinem Erfolg, da er in stratigraphisch höhere Schichten führt.
Im Jahre 1938 verlängerte man die Naussohle bis ins Tschuggen-Lager, das Lager entpuppte sich jedoch als ein nur kleines, isoliertes Vorkommen von meist schlechter Qualität.
In den vierziger Jahren konzentrierte sich der Abbau immer mehr auf das Gebiet zwischen Naus und der Wolfslochsohle, zusätzlich wurden im Gebiet ob Naus hochgelegene Abbaufelder und viele Erzpfeiler nachträglich ausgebeutet, was auf den Plänen nie nachgeführt wurde.
Die grosse Fördermenge in den Kriegsjahren zwang die EGAG zu umfangreichen Sucharbeiten. Deshalb wurden ab 1942 viele Tiefbohrungen und Kleinkernbohrungen abgeteuft. Mit diesen Bohrungen konnte man nachweisen, dass das Lager in der Region Mumpertjöris auch vorhanden ist, im weiteren konnte man die Mulde und den Scheitel in der Region der Fluewand-Verwerfung lokalisieren. Dank Bohrungen aus der Wolfslochsohle fand man auch das Steillager, was den Bau Anlegung der längsten Galerie (Galerie 724) bewirkte.
Die erfolgreichen Prospektionsarbeiten führten dazu, dass man 1949 bei Vild (Sargans) auf Talniveau mit dem Bau des Basisstollen begann, der nach 1700m auf das Steillager stiess. Die Abbauten von Naus aus (Scheitel) wurde aufgegeben. Alle Abbauten wurden von nun an von diesem neuen Stollen aus organisiert Bremsberge wurden ins Steillager und die Mulde oberhalb des Basisstollen errichtet (Nauswand- und Muldenbremsberg), der aufsteigenden Schenkel wurde erschlossen und 1953 wurde mit dem Fluewandgesenk begonnen, welches in die Mulde bis auf 320 m ü.M. hinab führt. Der Abbau in der flachen Mulde erfolgte nicht mehr mittels vieler Galerien, denn nun wurden sternförmige Schrapperfelder angelegt. Schrapper sind einfache Eisenbehälter, welche an einem Seil hängen und von diesem über den schief stehenden Erzlagerboden geschleppt werden. Dabei wurden die Erzbrocken in Bunker geschleppt und aus diesen über eine Galerie in das Gesenk / Bremsberg gebracht. Ist ein Feld leer geräumt worden, wurden die Schrapper umgehängt, so dass um einen Bunker herum sternförmige Kanäle entstanden. Der Abstand der Galerien wurde somit um die Schrapperlänge, die bis 300m war, vergrössert.

Zuhinterst im Basisstollen wurde 1963 in der nähe der Fluewand-Verwerfung ein Erdgasvorkommen angestochen. Das Bergwerk musste in der Folge teure Massnahmen ergreifen, um den Betrieb weiterhin sicher fortführen zu können, so wurde zum Beispiel auf eine elektrische Sprengzündung umgestellt und der Methangehalt in den Stollen musste ständig überwacht erden.

In den Sechzigerjahren sank der Weltmarktpreis der Eisenerze rapide ab. Mit diesen Preisen konnte die EGAG aufgrund des aufwendigen Abbaues (dünnes Lager, viele Stollen, tektonisch stark gestört), den vielen Sucharbeiten und schliesslich dem Gasausbruch nicht mehr konkurrenzieren, so dass am 2.Mai 1966 die Grubenstillegung beschlossen werden musste. Die EGAG besteht auch nach der Stillegung weiter, sie verfügt noch immer über eine gültige Abbaukonzession und das Gesuch um eine Konzessionsverlängerung ist momentan in Bearbeitung. Die EGAG kümmert sich um die Verwaltung der Liegenschaften und führt periodische Kontrollgänge im Bergwerk durch. Zusätzlich besitzt die Firma auch einen eigenen Weinberg mit dem dazugehörenden „Bergwerks-Torggel“. Aus dem Gonzen sind insgesamt 2.7 Mio. Tonnen Erz gefördert worden. Davon stammen etwa 800‘000 t aus der Nausgrube oberhalb der Naussohle und ca. 972‘000 t aus dem Gebiet zwischen Naus- und Wolfslochsohle. Etwa 718'000 t wurden aus dem Bereich des Steillagers und der Mulde sowie des aufsteigenden Schenkels durch den Basisstollen gefördert. Die Aufarbeitung des Ausbruchmateriales erfolgte zuerst von Hand. In der Aufarbeitungsanlage in Malerva (Sargans) wurde 1954 eine automatische Sink- und Schwimmanlage in Betrieb genommen, welche die Qualität des Versanderzes steigern und auch feine Erzstücke aus dem angelieferten Material trennen konnte. Während bis 1900 alles Gonzenerz in der Schweiz verhüttet worden ist, verkaufte man ab 1921 den Grossteil der Eisenerze nach Deutschland, insbesondere an Stahlwerke des Ruhrgebietes. Die begehrten, reinen Manganerze wurden jedoch hauptsächlich in der Schweiz abgesetzt. Im Gonzen lagern immer noch grosse abbauwürdige Erzmengen (man schätzt 5.5 Mio. t Roteisenstein, davon werden 2.3 Mio. t als „sicher“ und 2 Mio. t als „wahrscheinlich“ taxiert. Etwa 1.2 Mio. t sind wegen Bergsturzgefahr als unantastbar veranschlagt worden). Da viele potentielle Abbauregionen bereits durch Stollen erschlossen sind, liesse sich der Betrieb mit relativ geringem Aufwand wieder rasch aufnehmen.


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