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Das ganze Untersuchungsgebiet ist von einer durchdringenden Klüftung und von steilstehenden Brüchen durchzogen. Sowohl Brüche, wie auch die Klüftung folgen einem bestimmten Verteilungsmuster. Es fällt auf, dass sowohl die Klüftung als auch die Bruchflächen eine meist in dieselbe Richtung weisende Ausrichtung besitzen: die Klüftung bildet bevorzugt Flächen nach 240/75 aus, was einer Streichrichtung nach 149 entspricht, während die Bruchflächen sich bevorzugt nach 244/86 ausbildeten, mit einer Streichrichtung nach 154. Wir werde im folgenden diese dominante Ausrichtung der Bruchflächen als 150er-System bezeichnen (Streichrichtung NNW-SSE).
Betrachtet man die an den Rutschharnischen erkannten Versetzungsrichtungen in diesem 150er-System, so wird deutlich, dass wenn die Lineare horizontal liegen oder nach NW einfallen, stets der östliche Block (sinistral) nach Norden und/oder nach unten geschoben wurde. Diese Versetzungsrichtung konnte auch anhand der Versetzung der Lithologien an fast allen Brüchen erkannt werden.

Die grossen steilen Brüche. Blickrichtung nach 335.

GOCAD-generierte, parallelprojizierte Brucheinsicht: Blickrichtung 335 (NW), mit Gspaltenberg, Tschuggen, Gonzen und Ellhorn. Rot sind die jüngeren, meist steilstehenden Brüche, grün die Ausbisslinien der Schuppen-Überschiebungen eingezeichnet. Die Lithologien sind entsprechend den von uns verwendeten Farben aufgetragen.



Faltenachsen

Eine zentrale Bedeutung bei unserer Arbeit hatte die Bestimmung der regionalen Faltenachsen. Zum einem liess sich mit ihnen eine gemittelte Faltenachse bestimmen, zu welcher senkrecht dazu adäquate Profile erstellt wurden. Zum anderen gibt die Streuung der Faltenachsen an, wie die an der Oberfläche sichtbaren Strukturen im Bergesinnern weiter verlaufen und wie rasch somit Wechsel im generellen Streichen der Schichten zu erwarten sind. Da die Faltenachsen meist mit 10-30° nach NW abtauchen und somit steiler liegen als die sanften, in dieselbe Richtung einfallenden Hänge des Rheintales oberhalb Trübbach, sind die im Seeztal wunderschön aufgeschlossenen Schichtreihen mit keinen anderen Aufschlüssen zu korrelieren. So wurden die Faltenachsen fast ausschliesslich durch Einmessen der Gesteinsflächen mittels Kompass bestimmt. Einzig beim Steinbruch Summerhau am Ellhorn, am Ghudleten Gonzen, sowie in der Gonzen SE-Wand sind die Faltenachsen als langgezogene Faltenscharniere direkt einseh- und somit auf der Karte ablesbar, was eine gewisse Kontrolle der Messungen ermöglicht hat. Für die Werte der Gonzen-Antiklinale und des Ghudlet Gonzen waren natürlich die Messungen im Bergwerk Gold wert.
Zur Bestimmung der Faltenachsen wurden neben Schicht- auch Schieferungsflächen miteinbezogen, da diese offensichtlich während der Verfaltung ausgebildet wurden und in der Regel als Achsenebenenschieferungen anzusehen sind.

Stereographische Projektionen der Schicht- und Schieferungsflächen und die daraus resultierenden Grossfaltenachsen


In der nachfolgenden Abbildung sind alle regionalen Faltenachsen in einer stereographischen Projektion eingezeichnet. In der Tabelle sind sie entsprechend ihrer Lage von Norden nach Süden aufgelistet, die Farben sind den Schuppen entsprechend gewählt. Beim Versuch Gesetzmässigkeiten herauszulesen, fallen zwei Dinge auf:
  1. Die südlicheren Faltenachsen, von Ellstein bis zum Ghudleten Gonzen, weisen eine auffallend konstante Richtung auf (=056/21). In den nördlichen Strukturen, ist die Varianz dagegen beträchtlich. Am stärksten weichen die Bleichi- und Zwischenschuppen-Stirn-Falten, mit ihren bereits leicht nach Süden weisenden Fallazimuten, ab. Daneben fällt auch die unsichere Hinterspina-Antiklinale aus dem Rahmen, deren Einfallswinkel mit 45° deutlich steiler als alle anderen Faltenachsen ist. Allgemein fallen die nördlich gelegenen Faltenachsen durchschnittlich steiler ein und sind stärker nach Osten ausgerichtet (=069/31) als die südlicheren.
  2. Soweit wir diese eingemessen haben, fallen Antiklinalen stets steiler ein, als ihre benachbarten Synklinalen.

Stereographische Projektion der Grossfaltenachsen

Liste und stereographische Projektion der regionalen Faltenachsen (Grossfaltenachsen). Die rot gestrichelte Linie entspricht angenähert der Ebene, in welcher sich die Faltenachsen bewegen


Die Faltenachse des Glarner Verrucanos und der Trias am Castels basiert in erster Linie auf die in Falten gelegten Schichten des Röti-Dolomits (siehe Fig. 6.1). Sie weicht, wie in den stereographischen Projektionen sichtbar, signifikant von den Faltenachsen in den Malm-Dogger-Schuppen ab. Die Faltenachse (127/04) liegt praktisch horizontal und ist nach SE ausgerichtet. Sie steht demnach mit rund 70° schief zu den meisten Faltenachsen nördlich des Seeztals. Dies belegt die völlige Loskuppelung zwischen Glarner Verrucano/Trias und Lias(?)/Dogger/Malm. Während die Trias zusammen mit dem Glarner Verrucano den Glarner Faltenbogen beschreibt, sind die Dogger-Malm-Schuppen weitgehend unabhängig davon darüber hinweggeglitten und haben so eine beträchtliche Disharmonie innerhalb des unteren Glarner Deckenkomplexes bewirkt. Inwiefern der Lias ebenfalls ein Eigenleben entwickelt hat, lässt sich mit unseren Daten nicht belegen, da die wenigen Aufschlüsse kaum Falten beinhalten, die eine Faltenachse genügend genau definieren würden. Dazu kommt, infolge häufiger Schrägschichtung und gewellter Oberflächen, ein erschwertes Einmessen der Schichten, was eine grosse Streuung der Messungen bewirkt hat. Einzig das Neck einer boudinierten Sandsteinlage in der Sexmor-Formation konnte genau eingemessen werden und eine Ausrichtung nach 059/14 bestimmt werden, was darauf hindeutet, dass der obere Lias tektonisch den Dogger-Malm-Schuppen näher steht, als der Glarner Verrucano-Trias Abfolge, was auch Sinn macht.

Die regionalen Faltenachsen





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Diplom - Sargans
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