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1 Problemstellung

In der Region Sargans ist der Jura des Unteren Glarner Deckenkomplexes (Helvetikum) verschuppt und verfaltet worden. Uns haben die südöstlichsten Strukturen von Ellhorn bis Tschuggen interessiert, wo sich ein Wechsel im Baustil abzeichnet. Dank der einmaligen Tatsache, dass im Gebiet des Gonzens in der Quinten-Formation eine sedimentär eingelagerte Eisenerzschicht durch die Eisenbergwerk Gonzen AG abgebaut wurde, ist heute eine erstklassiger räumlicher Einblick in den Falten- und Schuppenbau möglich. Ein mit Hilfe von Bergwerksdaten in GOCAD erstelltes, digitales 3D-Modell soll den Verlauf der Erzschicht anschaulich darstellen. Zusammen mit den Oberflächendaten ermöglicht dies, als Ziel dieser Arbeit, eine umfassende Beschreibung des geologischen Untergrundes im Untersuchungsgebiet. Neben stratigraphischen Untersuchungen ist der Schwerpunkt hauptsächlich auf strukturgeologische Aspekte gelegt worden. Diese sollen dazu dienen, axiale Änderungen im Schuppen- und Faltenbau aufzuzeigen, um so regional-tektonische Probleme besser verstehen zu können, wie sie bei seismischen Untersuchungen im Rheintal bereits aufgezeigt wurden. Als ergänzende Beilage dient die im Massstab 1:10'000 erstellte geologische Karte sowie ein Ausschnitt derselben im Massstab 1:5000.
 

2 Überblick
2.1 Geographische Übersicht

Das Untersuchungsgebiet befindet sich rund um Sargans im Kanton St.Gallen. Der Rheingletscher hat sich hier an der wuchtigen Berggestalt des Gonzens aufgespalten und dabei zwei grosse Täler herausmodelliert: Während der Rhein im Haupttal in einem grossen Bogen um den Fläscherberg nach Norden weiterfliesst, zieht das nur durch eine niedere Schwelle losgetrennte Seeztal nach Nordwesten weiter. Durch dieses fliesst die aus dem südwestlich gelegenen Weisstannental kommende Seez Richtung Walensee.
Durch diese günstigen Voraussetzungen ist Sargans verkehrstechnisch gut erschlossen worden und zu einem bedeutenden Verkehrsknotenpunkt geworden, an dem sich drei Eisenbahn- und Autobahnteilstücke treffen. Dies hat der als Heidiland vermarkteten Region leider auch empfindliche Einschnitte ins Landschaftsbild beschert. Wir befinden uns in einem stark besiedelten und bewirtschafteten Gebiet mit langer kultureller Vergangenheit. Das Schloss sowie zahlreiche Festungen rund um Sargans zeugen von der strategischen Bedeutung, die der Region früher beigemessen worden ist.
 

Das Seeztal weist durch die geologischen Gegebenheiten eine sanft ansteigende Südwestseite auf. Bei Mels mündet die Seez in die Talebene des Seeztales (ca. 470m) ein, wobei sie den Hügel des Castels umfliesst. Ein grosser Kontrast zur Südseite bildet die Nordostseite des Seeztales, die durch ihre steil abfallenden Felswände einen sehr guten Einblick in die uns interessierenden Malm-Dogger-Schuppen gewährt. Sie kulminieren in den beiden Gipfeln des Tschuggen (1880m) und des Gonzens (1830m). Darüber bildet die Alp Palfris unter den Kreide-Bergen der Gauschla und des Alviers eine flachere Terrasse. Von hier ziehen nördlich des Gonzens vergleichsweise sanfte Wiesen und Wälder nach Nordosten hinunter, entwässert durch Lutterbach, Lochbach und Trübbach. Der Schollberg (856m), auch Maziferchopf genannt, klammert sich zuunterst als kleiner Hügel an das westliche Rheinufer. Auf der gegenüberliegenden Rheintalseite bildet das Ellhorn (753m) an der Grenze zum Fürstentum Lichtenstein, als nordwestlicher Ausläufer des Fläscherberges, eine kleine Erhebung.

Abgrenzungen
Unser Untersuchungsgebiet befindet sich zur Hauptsache im Winkel zwischen Seeztal und nördlichem Rheintal (siehe Fig.2-1). Im Seeztal beginnend haben wir, im Uhrzeigersinn drehend, folgende schematische Abgrenzung: Seeztal - Ragnatscherbach - Tschugga Wald - Chamboden (Alp Palfris) - Lochbach - Wolfsloch - Trübbach - Rheintal. Daneben wurde auch das Ellhorn und der Ellstein auf der Ostseite des Rheintales, mehrheitlich durch Fernkartierung, näher studiert. Am Castels bei Mels wurde ebenfalls eine kleine Studie vorgenommen.

LageAbgrenzungGebiet.gif
Fig. 2-1: Lage und Abgrenzung des Untersuchungsgebietes


2.2 Geologische Übersicht

Das regionale, geologische Umfeld
Das untersuchte Gebiet liegt innerhalb der Sedimentserien des Helvetikums der Ost-Schweiz (siehe Fig. 2-2). Dieses umfasst zwei grosse tektonische Einheiten: Zum einen das Infrahelvetikum mit autochthonen und parautochthonen Einheiten, und zum anderen die darüber nach Norden hinweggeglittenen helvetischen Decken, welche über süd- und nord-helvetischen Flysch sowie die subalpine Molasse vorgestossen sind. Die helvetischen Decken können ihrerseits in zwei grosse Deckenkomplexe aufgeteilt werden: den Oberen und den Unteren Glarner Deckenkomplex. Der Obere Glarner Deckenkomplex wird gemeinhin als Säntis-Decke bezeichnet und beinhaltet die Kreidesedimente. Sie ist in den Mergeln der Palfris-Formation (unterste Kreide) vom Unteren Glarner Deckenkomplex abgeglitten und bildet heute im Säntis-Gebirge die nördliche Alpenrandkette, sowie die Gipfel nördlich des Seeztales und des Walensees.

Der Untere Glarner Deckenkomplex beinhaltet die Serien von Perm bis unterste Kreide. Er ist an der Basis des permischen Glarner Verrucanos vom kristallinen Untergrund (Tavet-scher Zwischenmassiv) abgeschert worden, wobei sich die Glarner Hauptüberschiebung als Basisüberschiebung der helvetischen Decken ausgebildet hat. Der Glarner Verrucano wur-de, als eine N-S verlaufende Trogfüllung, während der Deckenüberschiebung an der Basis ausgeglättet, was eine sogenannte Beckeninvertierung bewirkte. Als Folge davon ist heute ein beidseitiges Abtauchen der darüberliegenden Einheiten zu sehen. In ihnen ermöglichten inkompetentere Serien ein begrenztes disharmonisches Verhalten der kompetenteren Schichtglieder. So haben die weicheren Serien der oberen Trias (Quartenschiefer), des unteren Lias und des unteren Doggers (Molser-Formation) den härteren Serien des oberen Lias, sowie des oberen Doggers samt Malm ein durch Verschuppung und Verfaltung hervorgerufenes beschränktes Eigenleben ermöglicht. Die Loslösungen war jedoch nie so umfassend, dass sich basale Abscherhorizonte und somit eigenständige Decken bilden konnten.
Die weiter im Westen liegenden Mürtschen- und Glarnerdecke s.s. werden ebenfalls zum Unteren Glarner Deckenkomplex gezählt, wobei die Mürtschen-Decke infolge kalkiger Ausbildung (Nordfazies) der Palfris-Formation einen mit dem Malm solidarisch gebliebe-nen Kreide-Anteil besitzt. Ihre Basalüberschiebungen verlaufen sich innerhalb des Glarner Verrucanos. Die Axen-Decke löst im Glarner-Haupttal den unteren Glarner Deckenkomplex nach Westen ab, wobei die basale Hauptüberschiebung vom nunmehr fehlenden Glarner Verrucano in die Rauhwacke der Trias gesprungen ist.
Wendet man den Blick nach Osten, werden die helvetischen Decken östlich des Rheintales rasch von den Sedimenten der penninischen und ostalpinen Decken überlagert. Der im Norden an der Kanisfluh zum letzten Mal aufgeschlossene Malm der helvetischen Decken zeigt, dass dieser mit der Kreide relativ harmonisch verfaltet ist und daher keine deutliche Trennung zwischen zwei Decken gemacht werden kann. Über den basalen Abscherhorizont können hier nur mehr Vermutungen angestellt werden.

Das Untersuchungsgebiet
Unser Untersuchungsgebiet befindet zur Hauptsache in den Malm-Dogger Schuppen des Unteren Glarner Deckenkomplexes, welche an der Nordseite des Seeztales, sowie in den östlichsten Aufschlüssen am Fläscherberg im Rheintal aufgeschlossen sind. Der Lias schaut nur marginal aus der Talebene des Seeztales empor. Der Hügel des Castels bei Mels diente für eine kurze Betrachtung des Glarner Verrucanos und der Trias.
 
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Fig.2-2: Tektonische Übersicht


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