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Berichte von Unterwegs aus meinem "On-Line"-Tagebuch:

Res aus Debrecen (Ungarn)
schrieb am 09.07.2003 um 14:32 Uhr:

Am 29.Mai bin ich im Château Woodoo in Zollikofen gestartet und nun, nach 6 Wochen Fahrzeit, kommt hiermit ein erster Bericht von unterwegs. Zurzeit bin ich Debrecen im Osten von Ungarn und wie ich hier hingekommen bin und was unterwegs so alles zu sehen war, das will ich doch noch kurz erzählen.

Nach dem kleinen Abschiedsfeschtli (schön, dass ihr alle gekommen seit!) und der züglete aus dem Château Woodoo hab ich mich in Etappen von der Schweiz verabschiedet. Zuerst von den Château Woodoolern in Zollikofen, Tags darauf von meinen Engsten in Langenthal (inklusive Mei-Lin!) und schlussendlich in Oberglatt bei Zürich zusammen mit Dani von dessen Zuhause.
Ich kann mich noch gut an die ersten Meter erinnern, in denen mein Kopf noch nicht begriffen hat, dass ich nun tatsächlich losgefahren bin. Erst nach ein paar Tagen wurde mir bewusst, als die Distanz zum wohl vertrauten Bernbiet grösser und grösser wurde, dass mein Leben einen ganz anderen Rhythmus hat und ich mich von nun an an das halten muss, was mein Velo tragen und meine Müskeli leisten mögen. Es ist genau das was ich gesucht habe.

Österreich (und Italien)

Nachdem wir in Appenzell nochmals die heile, touristische Urschweiz erlebt haben, sind wir bei Feldkirchen nach Österreich übergewechselt. Im Kopf bereits ein grosser Schritt, die Landschaft änderte sich trotzdem nicht wesendlich.
Es ging in die Berge und dass ich mich da wohl fühle, das wisst ihr ja. In der heiss-schwülen Luft dieses legendären Junis sind wir über die Bieler Höhe nach Innsbruck geradelt und haben zum ersten mal zu spüren bekommen, was es heisst mit so viel Gepäck in den Bergen unterwegs zu sein. Wir überquerten weiter den Gerlospass und als vorläufiger Höhepunkt das Hochtor (Grossglockner Hochalpenstrasse und Franz Josephs Höhe).
Inzwischen hatten wir uns an die nachmittäglichen Gewitterregen gewöhnt, welche uns in den ersten 2 Wochen mit erstaunlicher Regelmässigkeit eine Abkühlung bescherten (dass in Langenthal in dieser Zeit kein einziger Tropfen gefallen ist haben wir erst später erfahren). Im Mölltal, das ist nördlich von Lienz, einem Tal in dem man ob des eigentümlichen Dialektes nicht sicher ist, ob man wirklich noch im deutschsprachigen Raum ist, beschlossen wir eine Kehrtwende. Das Problem war folgendes: da uns noch die Einladungen für Kirgistan und Kasachstan fehlten, haben wir die Pässe in der Schweiz gelassen, mit der Idee, dass die Visa, während wir unterwegs sind, von meinem Mueti eingeholt werden können und diese uns per Post in Wien nachgesendet werden. Dass Problem war nur, dass die Einladungen vom kirgisischen Reisebüro nicht wie versprochen gesendet wurden. Wir wussten nun, dass wir deutlich vor unseren Pässen in Wien ankommen würden.
Es blieb also Zeit für eine Extratour. Von Lienz folgten wir dem Pustertal in die Dolomiten nach Italien. Da Dani sowieso nach dem Effort der letzten Tage etwas Erholung benötigte, haben wir uns in Moos bei Sexten für einen Tag niedergelassen. Wir nutzten den Tag um uns etwas die Füsse zu vertreten und die eindrücklichen Felszacken der Sextener Dolomiten zu bestaunen.
Ich bestieg den Oberbachenspitze, einen der wenigen einfachen Berggipfel mit herrlicher Aussicht und stieg weiter zum Dreigestirn der Dolomiten: den 3 Zinnen. Der Abstieg ins Fischleintal war wie gewohnt vom Gewitterregen geprägt.
Nach dem Kreuzbergpass (?) gelangten wir in den typisch italienisch geprägten Kulturraum, eine eigendliche Wohltat nach dem teilweise an Disneyland erinnernde Tiroler-Baustil (das Nonplusultra: Ischgl).
Über den Ploeckenpass gelangten wir wieder nach Österreich ins Gailtal, wo wir den ersten Regen nach 3 Wochen mitbrachten, für uns wie gewohnt mit Blitz und Donner. Wenn wir überall so einfahren würden...
Weiter ging's in der Sommerhitze auf tiptopem Veloweg über Villach das Gailtal hinunter. (Tips fúr alle Österreichfahrradtreter: gute Velowege: Inntal, Pustertal und Gailtal. Internet (oft sehr schwierig!) in Lienz beim Postshop, in Villach und im Gailtal in Internetcafés). Via Gurktal gelangten wir nach Mariahof, wo wir unser Zelt auf einem Logenplatz im Garten einer Familie (Heinz Leintner und seine Mariahofner Herzspatzen) aufstellen durften, Aperitif und Frühstück inklusive, das ist Gastfreundschaft.
In der Folge bestaunten wir da Gesäuse ("Xeis"), sowie den Naturpark im Salzatal um Wildalpen und überquerten bei Annaberg unseren letzten Alpenpass. Bei St'Pölten verabschiedeten wir uns endgültig von den Alpen, oder was davon noch übrig geblieben ist (höhere Hügel nämlich) und machten uns auf an die Donau.
Der Zufall wollte es, dass wir eben am 21. Juni in der Wachau auf dem sandigen Ufer der Donau unsere Zelte aufstellten, als das hier besonders wichtige Mittsommernachtsfest gefeiert wurde. Unerwartet bot sich uns ein imposantes Feuerwerk, zahlreiche Festboote und die mit Feuern und Kerzen beleuchtete Rebberge bildeten ein Lichtermeer. Und als wir uns plötzlich von zahlreichen Leuten umgeben sahen, wussten wir, dass es uns nicht ganz gelungen war unbemerkt ein ruhiges Plätzchen am träge fliessenden Strom zu finden...

Wien

Über Krems fuhren wir darauf der Donau entlang nach Wien. Hier sollten wir 10 Tage auf unsere Pässe warten, vom 23.Juni bis zum 3.Juli. (Dank den grossen Bemühungen von Mueti, Vati und Anna ging's nicht länger, trotz Hausbrand bei Grossmueti!). Wien verbinde ich nun mit Zeltplatz, Beachvolleyball im Prater, Fandorin (spannende Lektüre von Boris Akunin), Hitze, Bücherläden, Faulenzen und natürlich mit all den Palästen und Parks.
Kurz vor der Abreise traf ich noch Urs Wildeisen mit Freundin. Seit anderthalb Jahren unterwegs, stehen sie kurz vor der Heimreise zurück in die Schweiz. Ein schönes Wiedersehen. Sie waren einen Monat nach der China-Reise von Mei-Lin und mir im Januar 2003 ebenfalls mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Asien gefahren. Wie wir haben sie in Ulan-Bator bei Frau Gallia übernachtet. Das Wiedersehen ist leider nur kurz, ich muss Dani nachfolgen, welcher bereits in Richtung Bratislava weitergefahren ist. Wir hätten uns noch viel zu erzählen gehabt.

Ungarn (und Slowakei)

Der kurze Abstecher nach Bratislava in die Slowakei zeigt uns die Hinterlassenschaft der sozialistischen Ära: während sich auf der Nordseite der Donau die hübsche, barocke Altstadt befindet, breitet sich auf der Südseite eine riesige Plattenbausiedlung aus. Trotz dieser Behausungen stehen die Leute in puncto Outfit dem Westen in nichts nach (wie überigens auch in ganz Ungarn nicht), voll trendy. Der überraschend gute, frisch geteerte Veloweg gleicht mit dem Rückenwind einer Highspeedstrecke, das hätten wir nicht erwartet.
Nach der Grenze zu Ungarn müssen wir uns jedoch mit den Hauptstrassen begnügen. Velowege gibt's nur noch dort, wo das Fahrrad sowieso verboten ist und dann geht's meist ruppig zu und her.
Die Landschaft ist üppig und sehr ländlich. Im kleinen Thermaldorf Lipot finden wir den idyllischsten Zeltplatz den man sich hier vorstellen kann: an einem Tümpel gelegen, mit Schwanenfamilie, Thermalwasserdouche und allem was dazugehört (Merci für den Tip, Birgit!).

Budapest

Im letzten Licht der untergehenden Sonne erreichen wir 3 Tage nach Wien Budapest, das uns mit seinen goldig erleuchteten Palästen und Kirchen wie ein Märchenstadt vorkommt. Die Zimmersuche ist dagegen mühsam und entspricht schon eher der Stadtrealität. Als wir und die Stadt am nächsten Tag zu Fuss näher anschauen, verliert sie viel vom Glanz des Vorabends, zu viel Verkehr, zu schmutzig ist sie. Trotzdem ist es eine sehr interessante Stadt, welche erst gegen Abend richtig zu erwachen scheint.
Die 2.Nacht bekommen wir ein Zimmer (Tip von Urs) bei Helena's Guesthouse, einer privaten Pension, in der Familien und Gastleben sich durchmischen: um zu den Gästebetten zu gelangen muss zuerst Wohn- und Schlafzimmer der Familie durchquert werden, das Badezimmer (von allen) befindet sich ganz am Ende. Was macht man nicht alles wenn man Geld benoetigt. Helena selbst ist eine herzensgute Frau, welche uns bekocht und Kaffee auftischt. Wir teilen unseren Raum mit Genta, einem Japaner, welcher erstmals Europa erkundet und zwar mit dem Velo! Ein Gleichgesinnter. Von Istanbul ist er über Bulgarien und Rumänien nach Ungarn gelangt und will weiter in Richtung Holland fahren. Ein interessanter Typ, welcher sehr froh ist mit jemandem längere Zeit quatschen zu können. Ich begreiffe ihn.

Wir verlassen Budapest nach Osten und durchfahren die weite Ebene der Puszta. Endlose Sonnenblumenfelder dominieren die Ebene, ländlicher geht's nicht. Der Wind ist uns hold und wir erreichen rasch Debrecen am Ostende der Puszta. Hier sind wir nun, ruhen einen Tag aus und sind sehr gespannt auf Rumänien.

Res aus Odessa (Ukraine)
schrieb am 25.07.2003 um 21:05 Uhr:

Odessa und das Schwarze Meer: Ferienstimmung und Entspannung nachdem nach ueber 3500km Fahrkilometer eines der meistersehnten Zwischenziele erreicht worden ist. Odessa, eine Stadt welche erst 1793 von den Russen gegruendet wurde und als wichtigster Getreideexporthafen des russischen Reiches im 19Jhd rasch angewachsen ist (1856 bereits ueber 100`000 Einwohner), ist eine Welt fuer sich. Es entwickelte sich hier ein Multikulti-Schmelztiegel den um 1900 neben den Russen vor allem Juden, Griechen, Bulgaren, Armenier, Deutsche, Italiener Franzosen nur gerade 9% Ukrainer ausmachten. Trotz der Verwuestungen vor allem im 2 Weltkrieg ist noch immer viel von dieser Bluetezeit zu spueren, auch wenn ueberall die Fassaden abbroeckeln und die Strassen von Autos verstopft werden. So hat etwa die Potemkin-Treppe, beruehmt wegen der Kinderwagenszene aus dem Film "Panzerkreuzer Potemkin", von Strassenverkehr und Hotels vom Hafen losgetrennt, ihre Wirkung und Funktion verloren und dient in erster Linie als Touristenfalle.
Zwiespaeltig wirken auf uns die nahe gelegenen und voellig ueberfuellten Sandstraende, nachdem wir in letzter Zeit durch nur duenn besiedelte Gebiete gefahren sind. Nichts desto trotz legt man sich gerne in den Fleischhaufen, traegt seine Velofahrerkontrastbraeune zur Schau (nicht eben schoen anzusehen, unsere markanten Farbuebergaenge) und geniesst es die Beine auszustrecken.

Aber ich greife ja vor. Erzaehlen wir der Reihe nach:

Rumaenien.

Nach Debrecen queren wir kurz vor Satu Mare die Grenze von Ungarn nach Rumaenien. Ein grosser Wechsel findet statt. Deutlich schmutziger und aermer ist das Land, aber auch spannender (und leider auch nasser)! Wir beenden die Durststrecke fuer Auge und Bergsteigerherz und tauchen in die Karpaten-Welt von Maramures ein. Fortan lenken wir endgueltig nicht mehr die langsamsten Fahrzeuge auf der Strasse: Pferdefuhrwerke sind hier immer noch eines der weitverbreitesten Transportmittel. Dass es auch hier schnelle Autos gibt, welche mit moerderischer Unvorsichtigkeit ueberholen, zeigen nicht zuletzt die erschreckend zahlreichen Kreuze am Strassenrand (die Ukraine sollte da auf den grossen Strassen noch eines drauf setzen.). Fuer uns Velofahrer habe ich Rumaenien jedoch als sehr angenehm empfunden, wir sind ja auch recht schmal und schwer zu treffen. Was einen laermgeplagten Schweizer anfangs nervig vorkommt: Vor dem Ueberholen wird stets gehupt und zwar so frueh, dass genug Zeit bleibt den Schwenker an den Strassenrand (oder in den Strassengraben) einzuleiten.

Ueber den Hutu-Pass gelangen wir an den von der Puszta in Ungarn her altbekannten Tisa-Fluss und stossen hier ein erstes Mal an die Grenze zur Ukraine. In Sapinta treffen wir auf 2 deutsche Fahrradfahrer, welche wie wir die schoen-naiv verzierten Holzkreuze des Friedhofs anschauen. Sie sind seit 3 Wochen in Rumaenien am rumradeln und wir tauschen Erfahrungen aus: die Strassen scheinen nicht ueberall so gut zu sein wie wir sie angetroffen haben...
Nach Sighetu Marmatei gefaellt das Izatal in dem uns das Wetter nochmals hold ist. Die huegelige Landschaft erinnert in weiten Teilen an Emmental und wohl auch Voralpen (mit Nebel schwer zu beurteilen..). Sehr schoene Holzverzierungen an den Eingangstoren in den langen Doerfern begleiten uns durch dieses Tal. Die Leute sind ueberaus freundlich und offen und winken uns ueberall vom Strassenrand her zu.
Markant ist der Stil der orthodoxen Kirchen, welche mit ihren Kuppelblechdaechern bereits von weitem auffallen (daneben gibt es auch sehr schoene "Stabkirchen", aehnlich denjenigen in Norwegen). Uns erstaunt, wie sich die Jungen, trotz westlicher Aufmache, zusammen mit den sehr traditionell gekleideten Aelteren die Strasse im "Ausgang" teilen. Hier findet ein rasanter Wechsel innert 1 bis 2 Generationen statt, welcher offen und friedlich zu verlaufen scheint.

Leider ist uns das Wetter nicht eben hold und wir erwischen eine intensive Niederschlagsperiode (in der Schweiz soll's immer noch trocken sein?), welche nicht nur Velo und Koerper auf die Probe stellen, sondern auch die Rundsicht empfindlich stoert. In der gebirgigsten Region um den Prislop-Pass (1416m, Berge bis 2300m hoch) scheint Petrus`s schwache Blase dann endgueltig zu versagen. Erst in Vatra Moldovitei, wo wir einen Tag lang vor der hoeheren Gewalt kapitulieren, ist der Bann gebrochen und es stellt sich eine allmaehliche Wetterbesserung ein. Das laendliche (wie alles hier) Doerfchen hat sich um ein kleines Kloster aus dem 16Jhd gebildet. Im Innern des von maechtigen Wehrmauern gebildeten Klosters befindet sich eine kleine Perle: eine mit wunderschoenen Fresken vollumfaenglich verzierte Kirche. So urspruenglich, so gut erhalten und so schoen in die liebliche Landschaft eingebettet, hinterlaesst sie einen bleibenden Eindruck. Nur 50km weiter stossen wir auf eines der Schwesterkloester, welches in seiner Groesse und Eindruecklichkeit dasjenige von Vatra Moldovitei sogar uebertrifft.


Ukraine

Am Abend des letzten Tages in Rumaenien ueberschreiten wir nach einer 2 1/2 stuendigen Grenzuebertrittsprozedur die Grenze zur Ukraine. Ein wunderschoender Regenbogen empfaengt uns und leider bald darauf auch der dazugehoerige, gewohnte Regenerguss. Die Schlammstrasse zwischen Gliboka und Cernivci laesst uns schlimmes Erahnen was fuer Strassenverhaeltnisse wir in der Ukraine zu erwarten haben. Die Befuerchtungen sollten sich zum Glueck kaum erfuellen.

In der gemuetlichen Barock-Stadt Cernivci verweilen wir einen Tag und stellen uns auf dieses neue Land ein, von dem ich, vor allem von wirtschaftlicher Misere, Korruption und einer leidgepraegten Geschichte gewusst habe. Aber wie so oft sind geringe Erwartungen die besten und in den 6 Tagen in denen wir nach Odessa gefahren sind haben wir nur gute Erfahrungen zu verbuchen. Selbst die Polizei war ueberaus freundlich (auch wenn uns eine 6er-Gruppe von Schweizer Toefffahrern hier in Odessa erzaehlt hat, sie seien bis zu 7 mal pro Tag kontrolliert und meist auch grundlos gebuesst worden, hae, da sieh mal einer den Bonus der Velofahrer). Wenn uns etwas zu schaffen gemacht hat, dann das ewige auf und ab ueber die langgezogenen Huegelzuege. Fuer alle die das dachten (inkl. mir): die Ukraine ist nicht flach. Da wir rasch einsahen, dass die grossen Ueberlandstrassen nicht nur langweilig und oede, sondern dem starken Lastwagenverkehr wegen, auch gefaehrlich sind, waehlten wir unsere Route entlang kleineren (auf- und ab) Strassen. Am Dnjester bestaunten wir die eindrueklichen Burganlagen von Hotin und Kam-Janes-Podil`s`ki (sehr sehenswert!). Kurz vor Murovani Kurilivci begegneten wir Valerij aus Vinnicja auf dem Weg nach Jugoslavien. Das Speichengeflecht seiner Raeder zeigte uns mit wie bescheidenen Mitteln andere Velofahrer unterwegs sind und brachte uns zum Staunen: dass einer mit solch einem Gefaehrt eine solche Reise in Angriff nimmt ist fast nicht zu glauben. Valerij muss ein begnadeter Bastler sein und hat wohl ein Trauma betreffend ukrainischer Strassen hinter sich: "up and down and very bad, you will see", war sein Kommentar. Im erstem Punkt sollte er vollumfaenglich recht kriegen, schlecht waren sie jedoch nur auf ca. 20km, die waren dafuer wirklich nicht ohne...
In Murovani Kurilivci dann das verhaengisvolle Bier. Roma, ein ca. 20jahriger Coiffeur und Rapper, laedt uns zu sich nach Hause zum Uebernachten ein, und in der Folge lernen wir nicht nur die bescheidenen Verhaeltnisse kennen, in denen die Leute hier leben (kein fliessendes, geschweige den warmes Wasser, nicht mal eine Toillette), sondern auch die Disco (mit Gesichtkontrolle der Mama-Tuervorsteherinnen), Victor Petrovitsch (Dorfpolizist und ruehrende, besoffene Witzfigur im Range eines Majors), die ruehrende Gastwirtschaft und halt auch so ein klares Waesserchen kennen.
Das wir am naechsten Tage 100km gefahren sind, zeugt davon, wie unbarmherzig der Magnet Odessa uns angezogen hat und dass auch Schweizer Maenner im Ausland ihren Mann stellen koennen (bla bla).
Wir passieren meist gesichtslose, der darin lebenden Leute wegen jedoch trotzdem interessanten Doerfer, u.a. Mogiliv Podil`s`kij, Jampil, Krizopil, Bersad, Balta und Velika Mihilivka. Am Strassenrand koennen wir uns mit herrlich frischen Fruechten eindecken (sehr billig), ansonsten ist uns das trockene Brot und der fade Kaese doch langsam am verleiden. Den allgegenwaertigen Ziehbruennen (nur in den groesseren Ortschaften gibt's wohl fliessendes Wasser) ziehen wir das Mineralwasser aus den Laeden vor (niet sol, gaeu Dani).

Wie geht es weiter?
Wir lassens uns gut gehen und am Sonntag, dem 27.Juli goennen wir uns eine kleine Kreuzfahrt nach Sevastopol von wo aus wir uns wieder unseren Saetteln widmen und die Krim-Halbinsel erkunden wollen. Ob es moeglich sein wird von Kerch per Faehre wieder zurueck aufs Festland nach Mariupol zu gelangen, das werden wir (hoffendlich) noch herausfinden. Und dann ab nach Russland - bevor die Visa verfallen.


Res aus Feodosia (Krim, Ukraine)
schrieb am 04.08.2003 um 09:51 Uhr:

Ein kurzer Zwangsurlaub in Feodosia gibt mir Gelegenheit ueber unsere Erfahrungen auf der Krimhalbinsel zu berichten:

Krim

Am 27.Juli 2003 besteigen wir in Odessa die "Princessa Dniepra" um nach Sevastopol zu gelangen. Leicht deplatziert stehen wir mit den vollbepakten Fahrraedern auf dem rotem Samtteppich vor der Rezeption. Das Schiff, von Kiew her den Dniepr runtergefahren, wird von einer oesterreichischen Firma betrieben. Entsprechend befinden wir uns urploetzlich in einer deutsch sprechenden Umgebung wieder und tatsaechlich koennen wir wieder einmal mit anderen Leuten sprechen wie uns der Schnabel gewachsen ist. Die Ueberfahrt ist angenehm und wir koennen uns gemuetlich ausstrecken. Das Durchschnittsalter ist einiges ueber dem unsrigen und rasch gesellt man sich zu den wenigen gleichaltrigen und sitzt bis spaet in die Nacht draussen auf dem Deck (unter anderem mit den "Kaertner Singbuam", die einen koestlich unterhalten).

Am Abend treffen wir in Sevastopol ein, bekannt weil hier die Schwarzmeerflotte der Ex-UdSSR stationiert ist (heute gehoert sie sowohl der Ukraine als auch Russland an, weshalb die Stadt heute einen Sonderstatus hat). Die Kriegsschiffe liegen zusammen mit all den anderen Schiffen in der weitverzweigten, geschuetzten Bucht und bilden bei der Einfahrt in den Hafen einen eindruecklichen Anblick. Die Stadt, nur wenig aelter als Odessa, wurde im 2.Weltkrieg fast vollstaendig zerstoert, ist danach jedoch im neoklassizistischen Stil aufgebaut worden und ist vor allem ihrer Lage wegen immer noch sehr sehenswert.
Dank Tanja, die auf der "Princessa Dniepra" im Souvenirshop arbeitet und ausgezeichnet deutsch spricht, haben wir rasch ein guenstiges Hotel gefunden. Sie und ihre Freunde zeigen uns an diesem Abend Stadt und Nachtleben. Gar nicht so einfach so zu genuegend Schlaf zu kommen.
Am naechsten Tag besichtigen wir Chersones im Westen der Stadt: Grundmauern einer faszinierenden Stadtanlage, welche die Griechen im 5Jhd. v. Chr. erbaut haben. Tanja begleitet uns und ist auch hier eine vorzuegliche Dolmetscherin und kann uns einiges mehr erzaehlen als wir aus den kyrillischen Texten erraetzeln koennen.

Am naechsten Tag, nach 5 Tagen Tret-Pause, setzen wir uns endlich wieder langsam mit unseren traegen Zweiraedern in Bewegung. Es ist gar nicht so einfach wieder den Rhythmus zu finden. Die eindrueckliche Steilkueste ist meist wolkenverhangen. Die Wolken haengen (wie hier offenbar ueblich) oben in den Bergen und nur ab und zu gelangt ein Regenguss bis ans Meer. Wie bei Kuestenstrassen ueblich geht es auf und ab und die Hoehenmeter summieren sich (bis Feodosia!).
Wir uebernachten vor Jalta, wo wir auf Igor treffen. In St. Petersburg wohnend, ist er hier aufgewachsen und soll uns am naechsten Tag mit seinem Velo begleiten und als ortskundiger ein tiptoper Fremdenfuehrer sein (Schloss von Worontschov, Schwalbennestburg, Chruschtschov-Palaeste, Livadja-Palast).
In Jalta selbst erleben wir den uns prophezeiten Touristen-Ansturm mit eigenen Augen, unglaublich. Dani laesst sein Velo (mit knackendem Trettlager) vom Velomech revidieren. Nuetzen tut's nicht viel, im Gegenteil...
Nach Aluschta wird die Strasse schmaler und kurviger und dank des geringen Verkehrs viel angenehmer. Die zahlreichen Aufsteige sind zwar schweisstreibend, belohnen einen jedoch mit wunderbaren Aussichten. Wir treffen auf zahlreiche andere Fahrradtouristen (u.a. 6 junge Biker aus Kerson). Die allesamt ueberfuellten Straende lassen wir meist rechts liegen. In Sudak (eindrueckliche Burganlage, von wem wohl?) machen wir den kurzen Abstecher nach Novi Sviet. Die kuehnen Felsruecken die hier ins Meer hinausragen beeindrucken trotz der Menschenmassen die sie zu Land und Wasser umschwaermen.
Bald nach Kagdebel verabschieden wir uns von den Krimbergen und sind nun in Feodosia angelangt, wo wir eine kurze Zwangspause einlegen muessen. Danis "Achti" am Hinterrad hat sich als regelrechter Felgenbruch herausgestellt: die vom Velomech in Jalta angezogenen Speichen haben begonnen sich der Felge zu entledigen und auszureissen, irreparabel. Felgenersatz ist gefunden und wir hoffen, dass diese halten was sie nicht versprechen.

Noch heute, wenn dann Dani`s Velo wieder ganz sein sollte, wollen wir nach Kerch fahren um dort nach Russland rueberzuwechseln. Freu mich schon auf die Zollformalitaeten...

Res aus Krasnodar (Russland)
schrieb am 07.08.2003 um 17:01 Uhr:

Wir wissen nun, dass man in Feodosia passende Ersatzteile zu unseren Fahrraedern kriegen kann. Dani`s Hinterrad hat eine neue ukrainische Felge und sieht gar nicht mal so uebel aus. Der einzige Wermutstropfen ist die Einstellschraube an der hinteren Bremse, welche der Velomech zum Abschluss seiner Meistertat noch abgebrochen hat...
In Kerch haben wir ueber die kleine Meerenge, welche das Schwarze vom Assow`schen Meer trennt, die Krim und damit die Ukraine verlassen und ins grosse Russland uebergewechselt. 3-einhalb Stunden und 15 US$ pro Person hat`s gekostet. Dabei waren die Russen mit nur 5 US$ (grundlos, resp. unverstaendlich) halb so teuer wie die Ukrainer (Grund: fehlende Fahrzeug-Papiere - fuer`s Velo!). Es haette deutlich mehr sein koennen, und Gruende finden sie hier immer.
Irgendwie schade die Ukraine zu verlassen, aber richten wir unser Augenmerk nun auf Russland: in 2 Tagen sind wir nun nach Krasnodar gefahren und waren ueberrascht: makellose Strassen, gute Beschilderung und relativ sauber, so kommen wir vorwaerts. Ob das so weitergeht? Die Leute sind nach wie vor sehr freundlich (manchmal etwas zu freundlich: Radler wie wir sind hier offensichtlich selten zu sehen und dementsprechend ein Ereignis, worauf, wie so oft hier, angestossen werden muss, und nein zu sagen ist nicht einfach!). Ein Highlight war das Zelten am Assow`schen Meer. Angenehm warmes, nur geringsalziges Wasser, wenig Leute, sauber und voller Muscheln. Das ganze mit einem schoenen Gewitterregen zum Morgenessen garniert (dann, wenn man eigendlich abfahren wollte). Vom Kaukasus sehen wir nur die Auslaeufer am Horizont. Es ist jammerschade, dass diese Region zur Zeit nicht besucht werden sollte (dafuer haben wir Frieden...).

Naechstes Ziel unserer Reise ist Astrachan (in gut 2 Wochen), auf moeglichst direktem Wege. Mal schauen was Russlands Sueden so zu bieten hat.

Res aus dem Land der Kalmücken (Russland)
schrieb am 13.08.2003 um 11:34 Uhr:

Aelista - hier haben wir erstmals das Gefuehl bereits in Asien zu sein. Russen bilden hier nur eine kleine Minderheit und es herrschen die asiatischen Gesichtszuege der Kalmuecken vor. Die Stadt selbst ist wahrlich nichts besonderes, interessant sind (neben den wie ueblich haesslichen sozialistischen Bauten) in erster Linie die pagodenartigen Stilelemente - die Kalmuecken sind Buddhisten. Wir verweilen trotzdem fuer einen Tag hier und hoffen in 3 bis 4 Tagen in Astrachan zu sein. Krasnodar habe ich mit einem etwas flauen Gefuehl verlassen, denn am Vorabend musste ich noch mit einer besoffenen Faust in meiner Magengegend Bekanntschaft schliessen. Wir wollten noch eine Kleinigkeit essen und waehlten wohl die falsche Spelunke. Wir standen an der Theke, als es mir voellig unerwartet den Atem verschlug. Wellcome to Russia. Gemacht hat`s mir nichts und ich hab nach dem Essen noch kurz versucht mit dem Typen mit den hellblau-glasigen Augen zu sprechen (er konnte Englisch!). Viel Gescheites kam nicht aus ihm raus, aber immerhin hat er sich entschuldigt, auch wenn er keinen Grund fuer seinen "Ausrutscher" geben konnte. Da sind schlicht ein paar Sicherungen durchgebrannt.

Die vergangenen Tage sind wir nun durch die Provinz Stavropol gefahren. Abwechslung hat es nicht viel gegeben: immer die selben riesigen, streng eingeregelten und durch Baumreihen abgetrennten Felder, ab und zu eine Kolkosensiedlung. Und immer die gleichen Fragen (at kuda, kuda? - Von wo seit ihr, wohin geht ihr?) und fast immer das selbe freundliche, aber verschtaendnislose Kopfschuetteln. Die zahlreichen Checkpoints (vor jeder groesseren Ortschaft) haben wir ohne Probleme passiert und oft ist es sogar unterhaltsam mit den Polizisten zu quaseln (so gut wir dies koennen, natuerlich).
Vor Aelista hat sodann ein abrupter Landschaftswechel stattgefunden. Die beackerten Felder haben einer Steppenlandschaft platz gemacht, und vereinzelte Salzseen zeigen, dass es nicht immer so feucht ist, wie wir es zur Zeit erleben (mit Glueck wurden wir nur wenig nass).

Res aus Astrachan (Russland)
schrieb am 16.08.2003 um 11:48 Uhr:

Nach rund 5220 Trettkilometern sind wir gestern Abend in Astrachan und somit am Wolga-Delta angelangt.

Nach Aelista haben wir einen wunderbaren Rueckenwind geniessen koennen, der uns in nur 2 Tagen die ueber 330km hierhin getragen hat. Das eine Ebene so schoen sein kann. Die Steppe (z.T. sogar Halbwueste) rast an einem vorbei und man ueberwindet muehelos die zahlreichen kleinen Anhoehen von denen man aus den Blick in die schier endlose Einoede schweifen lassen kann. Keine Baueme versperren die Sicht und ab und zu sorgt ein kleiner Salzsee oder ein Kamel fuer Abwechslung. Vor einem zieht der ewig lange (und fast durchwegs super asphaltierte!) Strassenstrang seinen Weg, bevor er sich am Horizont verliert.

Uebernachtet haben wir im alten Einkaufsladen eines 600-Seelen-Kalmuecken-Dorfes. Die Kalmuecken sind wahrlich sehr freundliche und friedfertige Leute

Astrachan ist nach der karge Steppe wahrlich eine Oase. Die gruene Stadt durch welche der breite Hauptast der Wolga fliesst, wird von einer kleinen Kremlversion dominiert. Jetzt in der Ferienzeit herrscht hier entsprechende Ferienatmosphaere.

Fuer Uebermorgen haben wir eine Bootsfahrt in das Wolga-Delta gebucht und freuen uns bereits jetzt auf die Lotusblueten-Felder welche zur Zeit in voller Bluete stehen sollen.

Res aus dem Land der Muecken (Russland)
schrieb am 19.08.2003 um 18:18 Uhr:

Gestern konnten wir endlich selbst sehen von wo all die Muecken kommen, welche sich Nacht fuer Nacht alle Muehe geben uns den Schlaf hier in Astrachan zu rauben. Und siehe: die Hoehle des Loewen ist grandios! Die von rund 600 groesseren und kleineren Armen der Wolga durchflossene Deltalandschaft erstreckt sich an der Küste des Kaspischen Meeres über eine Breite von 200 km. Mit einem schnellen, schmalen Boot sind wir auf unserem Ausflug in rasender Geschwindigkeit durch die schmalen Wasserlaeufe am aeusseren Rand des Deltas gefahren worden. Ein echtes Achterbahnfeeling. Das Highlight war das Eintauchen in die Lotusblumenfelder, deren riesigen Blueten und Blaetter eine Dimension groesser sind als gewohnt. Das selbe gilt fuer den Seeadler, der mit seinen riesigen Schwingen zweifellos der Koenig dieser Wasserlandschaft ist. Gefuerchtet sind aber viel mehr die Attacken dieser kleinen, blutsaugenden Biester, welche einen hier sogar bei bruehtender Hitze mitten an der Sonne attackieren. Gnadenlos.

Die Tour haben wir bei Intourist in Astrachan organisieren lassen. Die verantwortliche Dame hatte bei der Buchung offensichtlich so Freude an uns (westliche Touristen sind sogar hier in der Stadt selten), dass sie die abendliche Begleitung für uns gleich (gratis) mitorganisiert hat. Tanya und Anna, 2 Studentinnen welche ausgezeichnet Englisch sprechen, haben uns sodann Kreml, orthodoxe Kirche, die Moschee, sowie (einmal mehr) die Discoteka gezeigt. Durch sie lernten wir auch die beiden Tartaren Timur und Linar (beide ebenfalls tiptop mit ihrem Englisch) kennen. Astrachan ist wirklich ein Multikultiort, wenn auch eindeutig von Russen dominiert. Hier lebt man auch damit, dass es ab und zu Bombenanschlaege gibt und Kaukasier wegen ihres aeusseren nicht in ein Lokal gelassen werden.

Eigendlich sollte es jetzt nach Kasachstan weitergehen. Das heisst, wenn denn Danis Knie sich so rasch erholen sollte, dass wir die Halbwuestenetappe bis Atyrau in Angriff nehmen koennen, aber seien wir da vorsichtig.

Res aus Turkestan (Kasachstan)
schrieb am 09.09.2003 um 15:04 Uhr:

Bin in Turkestan!

Res aus Shimkent (Kasachstan)
schrieb am 11.09.2003 um 10:56 Uhr:

Ich rieche sie bereits vor mir, die Berge des Tian Shan (ausgesprochen: Tien Schan)! Im Dunst der Steppe sind sie hier vom Shimkent aus zwar noch nicht zu sehen, mein arg gepruefftes Bergsteigerherz spuert ihre Naehe aber mit jedem Atemzug.
Seit Astrachan liegen nun zweieinhalbtausend Kilometer Steppe und Halbwueste hinter mir und war es auch oft huegelig, so war`s doch im grossen ganzen einfach flach und oft sehr einsam, nicht zuletzt weil ich ohne Dani unterwegs war.
Dani hat in Astrachan solche Knieschmerzen bekommen, dass es klar war: nur eine laengere Ruhepause kann da helfen (Hei Dani, hoffentlech geit`s inzwuesche besser!). Und so bin ich denn alleine in Steppe Kasachastans reingefahren. Wir wollen uns bald in Bishkek wieder treffen und dann geht`s ab in die Berge!


Wie man so durch Kasachstan radelt:

Atyrau habe ich von Astrachan in 3 Tagen erreicht und war ueberrascht wie reibungslos die Grenze zu ueberschreiten gewesen ist, diesmal soger gratis und happy birthday haben sie mir auch noch gewuenscht, ein guter Anfang fuer ein neues Land. Atyrau ist mir mit den protzigen Bauten der hier gross im Geschaeft stehenden Oelfirmen nicht eben schoen in Erinnerung geblieben. Wenigstens hat`s mit der Registration meines Visas geklappt, ein funktionierendes Internet zu finden war mir jedoch nicht vergoennt (das soll mir auch spaeter nicht so schnell gelingen...) und mit einem kleinen Telephonschwaetzchen mit Mei-Lin in der Schweiz hat es auch nicht klappten wollen. So ist das halt in einem 3.Weltland, welch ein Unterschied zu Russland!
So ueberschreite ich denn den Ural nicht eben befriedigt. Immerhin bin ich nun endgueltig in Asien. Die naechsten zweieinhalb Wochen versuche ich nun auf dieser Karte mit dem ungewohnt kleinen Massstab vorwaerts zu kommen, was bei viel Gegenwind durchaus frustrierend sein kann. Cheibe Kurz sind die Striche ich die allabendlich einzeichnen kann. Die Strasse zwischen Atyrau und Aral ist oft in so schlechtem Zustand, dass die Autos haeufig auf die parallel angelegten Sandpisten daneben ausweichen. Ich mit meinen duennen Raedern versauffe auf diesen aber gottsjaemmerlich. So lasse ich mich halt von den Schlaglochkaskaden durchschuetteln und habe Mitleid mit meinem Drahtesel. Dieser haelt sich jedoch wacker. Ist ein guter. Um ihn trotzdem etwas zu schonen nehme ich nach Shalkar einen Umweg von 150km auf mich um der besonders schlechten Strecke nach Aral zu entgehen. Dass das "Aral-Trassee", die grosse, von Aqtoebe (resp Aqtoebinsk) nach Sueden fuehrende Strasse auch in fuerchterlichem Zustand ist wusste ich ja nicht. Und so gelange ich halt auf diese, und sorge mich weiterhin um das tapfere Gefaehrt unter mir. In der Hitze klingt mein Tretlager inzwischen wie das reinste Hackbrett (ihr Velokenner, ihr, ist das normal?).

Uebernachten tue ich die meiste Zeit im Zelt (resp. oft auch ohne) in der Steppe oder in einem der hier mit "Cafe", oder "Tschaichana" angeschriebenen Restaurants an der Strasse. Vereinzelt werde ich auch von Familien aufgegabelt und komme zur Ehre eines "Bishbarmaks", dem traditionellen Gericht der Kasachaen. Da sitzt man denn mit 10, 15 Personen um einen riesigen Bottich in dem neben Zwiebeln und Teigwarenblaettern die Einzelteile eines frisch geschlachteten Kalbes zu erkennen sind. Und so steckt man sie denn rein, die (hoffendlich von allen) frisch gewaschenen Haende und stopft sich damit den Mund voll. Erstaunlicherweise schmeckts sogar und herzlich ist es hier allemal. Allein: erholen kann man sich nicht, frueh zu Bett kommt man schon gar nicht, und so geniesse ich die einsamen Naechte in der Steppe umso mehr. Aber warum muss es auch hier ueberall diese laestigen kleinen Stechviecher haben?

In Aral muss ich dann fuer einen Tag Bett und Plumpsklo hueten, erhole mich zum Glueck aber rasch wieder. Sergeij Sokulov, bei dem ich unterkommen kann, umsorgt mich auch gut. Er ist Hydrologe und Aralsee-Spezialist und beherbergt gerade eine Aralsee-Expedition (ueber diese Expedition soll mal bei ARTE ein Film ausgestrahlt werden - fuer die die es interessiert: am 15.September abends (20 oder 21 Uhr) ist von demselben Filmer ein Betrag ueber Falken bei Almaty zu sehen sein). Sehr interessant mit denen zu plaudern. Offensichtlich hat nur der kleine, vom Syrdarya-Fluss gespiesene See eine Zukunft. Ein 13km langer Damm soll ihn nun vor dem Ende bewahren. Vom suedlich gelegenen, grossen Aralsee wird bald nur noch eine Salzlache uebrig bleiben. Ein trauriges Ende fuer den einst 4. groessten See der Welt. Aral (oder Aralsk, heute eine erbaermliche Kleinstadt) soll ja mal ein Fischerdorf gewesen sein. Kaum zu glauben, in dieser staubigen, trockenen Luft. Ach wie schoen waere hier ein kuehles Bad in einem schoenen See! Es ist 38 Grad warm.

War die Steppenlandschaft vor Aral noch recht huegelig, so dominiert von hier an definitiv die Flachheit und leider auch ein meist stuermischer Ost- bis Nordostwind. Ein heisser Kampf. Zum Glueck gibt es ueberall frische Fruechte und viel Gemuese, dem nahen Syrdarya sei Dank. Trotzdem und auch mit 8 Litern Wasser pro Tag laeuft mir das Wasser nicht eben im Munde zusammen, nein, wie auch, so vertrocknet wie die Kehle meist ist.
Wie gewohnt halte ich 20 bis 30 Mal Tag an, um kasachische Haende zu schuetteln und die gewohnten Fragen zu beantworten und ab und zu nehme ich ein Bad in einem der zahlreichen Bewaesserungskanaele. So versuche ich meinen Kopf so kuehl wie moeglich zu halten und zusammen mit der langen Nachmittagspause gelingt mir dies nicht mal schlecht. Ich passiere Bayqongyr (Cape Canaveral der Russen), Quizyslorda und Turkistan, wo ich fuer einmal die Gastfreundschaft von Usbeken kennenlernen darf und bin nun endlich in Shimkent, einem weiteren Wendepunkt meiner Reise.


Etwas sollte ich hier wohl nachtraeglich noch anfuegen: die Kasachen sind meisten unglaublich offene und gastfreundliche Menschen. Dass es auch etwas unfreundlichere Kreaturen hat, ist in einem solch armen Land klar, und leider musste ich dies auch einmal erfahren.
Es war irgendwann nachdem ich zwischen Atyrau und Aral meinen noerdlichsten Punkt ueberschritten hatte, in der endlosen, unbewohnten Steppe. Ein Auto ueberholte mich und hielt an. Es stiegen 8 Jugendliche aus, die 500 US-Dollars von mir wollten. Nun, nicht sehr angenehm, ohne Fluchtchance und einem sehr verletzlichen Velo. So haben wir den ca. 2 Stunden gemaehrtet, auf Russisch natuerlich. Schlussendlich bin ich mit nur 15 US-Dollar "Weggeld" davongekommen... .

Res aus Taraz (Kasachstan)
schrieb am 13.09.2003 um 05:56 Uhr:

Ich habe Schnee gesehen. Im Dunst sind sie im Sueden emporgeragt, die Berge, und ihr Anblick ist grandios, auch wenn es erst die kleinen sind, so knappe 4000er.
Ein unerwarteter Nordwestwind hat mich die Fahrt ueber meinen ersten kleinen Tien Shan-Pass richtig geniessen lassen. Und es ist hier so wunderschoen kuehl und gruen. Berge sind hier Leben.
Uebernachten konnte ich bei einer herzlichen Familie, in der sie deutscher und er russischer Abstammung ist. Da fuehlt man sich sogleich wieder unter Seinesgleichen und das ist zur Abwechslung auch mal ganz schoen.
Noch knappe 300km trennen mich von Bishkek, 3 Tagesetappen!

Res aus Bishkek (Kirigstan)
schrieb am 17.09.2003 um 09:56 Uhr:

Kirgistan, Bishkek, Dani!

Wie sich doch alles schoen zusammenfuegen kann. Gestern fahre ich endlich in meinem grossen Ziel Bishkek ein, dieser angenehm gruenen Stadt mit der nahen Bergeszierde im Sueden. Dani kommt 2 Stunden nach mir, frisch eingeflogen von Atyrau via Almaty, ebenfalls hier an und nach fast 4 Wochen Einsamkeit gibt`s ein schoenes Wiedersehen im Hotel "Semetej". Dies unmittelbar nachdem ich auch Marcus und Therese, 2 Schweden die mich einsam strampelnd in Kasachstan mit dem Auto ueberhohlt haben, wiedergetroffen habe. Sie haben in den letzten beiden Wochen die Bergwelt Kirgistans erfahren, wobei sie mitleidig meiner gedacht haben, der ich gleichzeitig statt der praechtigen Bergwelt nichts als heissflache Steppe zu geniessen hatte. So gibt`s an diesem Abend ein paar herrlich kuehle Bierchen und viel zu erzaehlen.

Dani hat seiner nicht besser werden wollenden Kniebeschwerden wegen ein Kontrastprogramm unternehmen muessen: mit dem Schiff die Wolga rauf bis nach Moskau ist er gekommen und hat dort den bereits einsetzenden Herbst zu spueren bekommen.

Auch mir ist dies nicht anders gegangen als ich von Taraz nach Bishkek unterwegs gewesen bin: Regen und in der Nacht noch 8 Grad ist doch nicht mehr als sommerlich zu bezeichnen. Die Berge denen ich entlanggefahren bin haben sich entsprechend weiss geschmueckt.
Ansonsten habe ich mich wiedermal mit Wind, leichten Magenproblemen und naechtlich alkoholisierten Kasachen abmuehen muessen, bevor ich endlich in Kirgisien habe einfahren duerfen. Und ach ja: kaum in Bishkek angekommen, gibt mein Vorderpneu endgueltig seinen Geist auf: 8190km und 109 Tage waren zuviel fuer ihn (trotzdem erst der 2. "platte", nach ueber 100 Tagen Problemlosigkeit!). Ich hoffe hier Ersatz zu finden.

Nun gilt es sich zu reorganisieren, zu schauen ob ein chinesisches Visum zu kriegen ist und Danis Knie langsam wieder belastungsfaehig ist und sich auf die (winterlichen?) BERGE vorzubereiten!

Res aus Bishkek zum Zweiten (Kirgistan)
schrieb am 26.09.2003 um 18:18 Uhr:

War das schoen! Statt dem Velo- haben Dani und und ich fuer 4 Tage die kirgisischen Pferdesaettel ausprobiert und das hat gefallen!

CBT - Community Based Tourism, so heisst die von Helvetas unterstuetzte Organisation, welche uns die Pferdetour organisiert hat. Eine gute Sache. Bereits am ersten Tag gab's eine praechtige Abendstimmung als wir aus dem weitlaeuffigen Haupttal in ein enges, langgezogenes Nebental nach Sueden geritten sind. Kirgistan at his best. 2 Naechte verbringen wir in der Jurte, eine im vorgeschoben "Basislager" im Zelt bei den Seen hinten im Tal (Koel-Koek und Koel-Toer). 2 kleine Extrafusstrips bringen mich der Gletscherwelt der 4000er hier etwas naeher. Ein schoenes Gefuehl wenn einen die (Laemmer-?)Geier umkreisen. Am 3. Tag erleben wir zur Abwechslung etwas Winter als wir im leichten Schneetreiben durch die karge Bergwelt reiten. Die Pferde kommen auf dem frisch gefallenen Schnee arg ins schleudern. Die beiden Stuerze meines Trampel-Hengstes ueberstehe ich aber unbeschadet.
Die Nacht im Zelt am See ist einmalig und wohlig warm ist`s in unseren Schlafsaecken. Unser Fuehrer, er heisst Ulan, ein prima Typ, der ist da wohl anderer Meinung, der hat da gefroren.

Die Gastgeber-Familie in der Jurte ist sehr nett, die beiden touristengewohnten Kindern koestlich amuesant. Wir lernen,- wie die gegorene Stutenmilch "Kumys" schmeckt, naemlich gewohnheitsbeduerftig, und was es heisst hier oben mit der Kaelte des Gebirges zu leben. Allein: wir koennen uns gemuetlich die Beine ausstrecken und uns bedienen lassen (die "Nidle", das Brot und das Abendessen sind vorzueglich). Sehr angenehm.

Gestern dann gabs noch einen Abstecher zum grossen See Kirgistans, dem Issyk-Kul, mit Baden, Faulenzen und einer herrlichen Sicht auf die schneebedeckten Bergeshoehen im Hintergrund. Das Wasser ist tatsaechlich an die 20 Grad warm, die Luft deutlich kuehler. Die Besichtigung der jahrtausendalten Petroglyphen in den Geroellflachen hinter Acha-Ata hat heute noch die Zugabe ergeben.

Morgen geht`s fuer mich nun wieder auf 2 Raedern weiter. Dani`s Knie ist leider immer noch nicht gut und er darf schon nur aus Vernunftsgruenden nicht weiterfahren. Leider haben weder Medikamente-Cocktail noch Marmots-Fett (Murmelifett) von der Jurtenfamilie etwas geholfen. Seine Geduld und Ausdauer (und die hat er wirklich, da kann er sich nichts vorwerfen) sind leider nicht belohnt worden. Das bedeutet fuer mich, dass ich nun alleine ueber Osh und Irkestam-Pass nach Kashgar fahren muss. Das China-Visum hab ich gekriegt! Es ist nur einen Monat gueltig, d. h. ich werde in China etwas unter Zeitdruck geraten, respektive es wird mir ziemlich sicher fruehzeitig ablaufen. Probleme mit der Chinesischen Polizei sind sowieso vorprogrammiert.

Morgen muss ich mich also schweren Herzens von Dani verabschieden und dann geht es halt alleine ab in die Berge!

Res aus Toktogul (Kirgistan)
schrieb am 30.09.2003 um 09:04 Uhr:

Nun sitze ich also wieder im Sattel, d.h. demjenigen der genau das macht was ich will und in dem ich mir die Sporren selber geben muss.

Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich nach Bishkek wieder an den Velosattel und nach dem Abschied von Dani an das einsame Nomadenleben gewoehnt habe. Als ich mich aber durch das eindrueckliche, schluchtartige Tal, das zum Toeoe-Ashu-Pass fuehrt nach oben druecke, habe ich den Rhythmus rasch wiedergefunden. Die frisch bepuderten Berge und die deluxemaessige Strasse haben das ihrige dazu beigetragen. Kurz vor der Passhoehe (resp. dem Tunnel), kommen mir 4 Hollaender auf ihren Zweiraedern entgegen (www24.brinkster.com/zijdefiets/index.htm). Sie kommen von Xian in China her (2 auf Swiss-Hand-Made-Villiger-Velos) und wir koennen unsere Erfahrungen austauschen. Schoene Abwechslung. Ihr Ziel ist die ferne Heimat.

Nach dem Tunnel (ca 3170m) unter dem Toeoe-Ashu-Pass eroeffnet sich mir dann das Kirgistan-Panorama wie ich mir`s ertraeumt habe: unten eine grosse karge Hochebene ueber der die schneebedeckten Berge aufragen, herrlich. Um den Anblick noch etwas laenger geniessen zu koennen, schlage ich mein Zelt hoch ueber der Ebene neben einer Jurte auf. Der warme Tee und die zusaetzliche Decke die ich von der hier lebenden, sehr netten Familie kriege sind Gold wert! Starker Bergwind und –8 Grad sind denn auch etwas kaelter als ich es erwartet habe, aber so schlafe ich trotzdem gut - allein das Aufstehen bleibt halt unschoen.

Die nun folgende Fahrt durch das Hochtal und ueber den Ala-Bel-Pass (3175m) ist wiederum traumhaft! Auf der Kulmination beschliesse ich, dass ich nun endlich einen wuerdigen Ort gefunden habe, um meinen Chateau-Woodoo-Stein einer neuen Ruhestaette zu uebergeben. Er ziert nun ein kleines Steinmannli unweit der Passhoehe. Ein kleines, 630 Gramm schweres Stueck Schweiz fern von seiner Heimat. Das Chateau expandiert.

Die rasante Abfahrt in Richtung Toktogul laesst mich sogleich in andere, (waermere!) Welten gleiten: ploetzlich hat es Baueme, richtige Tannenwaelder, und ich begreiffe hier nun endlich warum man Kirgistan die “Schweiz Zentralasiens” nennt, es koennte bei uns sein. Hohe, wilde Kalkberge und schoen strukturierte Sandsteinwaende bieten eindrueckliche Kulissen durch die ich hindurchrauschen darf. Runterfahren ist einfach schoen. Uebernachtet wird in einem kleinen Cafe.
Heute morgen treffe ich dann erneut 4 schwerbepakte Velomaschinen von denen, wie ich sogleich bemerke, baernduetschi Klaenge zu vernehmen sind. Und wie es sich so trifft, kennt man sich zum Teil sogar: Sara Buerki hat mit Mei-Lin studiert, die Vaeter kennen sich gut vom AACB. Erneut wird geplaudert und ausgetauscht. Sie haben die Suedroute genommen (also ueber die Tuerkei und Iran) und sind auf dem Weg nach Bishkek. Das Fernziel ist Peking (-> www.velotour.net).

Mit mir geht es weiter nach Osh.

Res aus Osh (Kirgistan)
schrieb am 04.10.2003 um 16:09 Uhr:

Heute Abend bin ich endlich in Osh angekommen, nachdem ich die letzten Tage, entsprechend der Landschaft, eher gemuetlich angegangen bin.

Nach der eindruecklichen Schlucht um Kara-Koel ist es hier im Fergana-Tal wieder herrlich warm, ueberall gibt es Melonen und mitten in der Baumwollernte ist auf den Feldern und an der Strasse reges Treiben zu sehen. Und die Leute sind unglaublich freundlich! So bin ich 3 Mal hintereinander bei Familien uebernachtet von denen es gar nicht so einfach war sich wieder loszureissen, letzte Nacht in Oezgoen. Kaum zu glauben das sich in dieser kleinen Stadt vor nur gerade 13 Jahren die Usbeken und Kirgisen waehrend 3 Tagen gegenseitig die Koepfe eingeschlagen haben (300-1000 Tote). Ich habe das Glueck gehabt ausgerechnet in einer kirgisisch-kasachischen Familie uebernachten zu duerfen, deren Sohn eine Usbekin geheiratet hat. Deren Sohn (also der Enkel), natuerlich im Zentrum der Aufmerksamkeit, ist am 1.Juni 2003 geboren worden, also 2 Tage nach meinem Start in Zollikofen. Schon erstaunlich was in einer solchen Zeit heranwachsen kann. Die Mutter (d.h. jetzt bereits Grossmutter) ist wahrlich witzig und ich kann mich trotz meinen beschraenkten Russischkenntnissen koestlich mit ihr unterhalten. Fuer Notfaelle ist Leila, die Tochter und seit einem Monat Englisch-Lehrerin, als Dolmetscherin eingesprungen. Von ihr habe ich denn auch erfahren, dass das Verhaeltnis zwischen den Kirgisen und den Usbeken immer noch sehr getruebt ist, wenngleich es nun deutlich besser ist als noch vor ein paar Jahren. Die Usbeken machen 85% der Stadtbevoelkerung aus und entsprechend farbig und orientalisch wirkt auf mich das Treiben in den Strassen. Besonders der Markt ist phantastisch. Zum Abschied bekomme ich von der Gastfamilie einen der schoenen traditionellen weissen Kirgisenhuete, einen "Kalpak", geschenkt und zwar in der schoenen Winterversion - wenn`s nur kein schlechtes Omen ist. Ein Usbekenhuetchen, die 4-kantige "Tjubetejka", hat mir zuvor bereits einer spontan auf der Strasse gegeben.

Morgen trage ich mir nun Osh, die 2. wichtigste Stadt Kirgistans, zu gemuete und dann ab mit mir in die kalten Berge ueber Taldyk-Pass (3615m) und Irkeshtam in Richtung Kashgar in China.

Res aus Kashgar (Xinjiang, China))
schrieb am 12.10.2003 um 20:59 Uhr:


In Kashgar schiffets. Und wie. Hab ich doch gedacht, dass es hier schoen und warm sein werde, nachdem ich die Berge ueberstiegen habe. Stattdessen erreiche ich diese Oase am Rande der Wueste im andauernden Platzregen, wohl dem Regen des Jahres. Aber interessant ises hier! Und ich bin in CHINA!

Bereits Osh hab ich nach einem tuechtigen Regen verlassen, nachdem ich mir den wunderkunterbunten Basar angeschaut habe, den zweitgroessten Zentralasiens und in seiner kunterbunten Exotik sehr eindruecklich.

Danach ging`s doch eher grau weiter und einen Tag musste ich wegen des immer wiederkehrenden Regens ganz aussetzen. Aber die Berglandschaft des noerdlichen Pamirs im Tal dem ich langsam emporgekrochen bin war trotzdem wunderschoen und ab und zu gab es ja doch auch Sonne.

Mit dem Taldykpass (3615m) bin ich sodann in die Wunderwelt des Alai-Hochtales eingetreten. Entlang der 6000er konnte ich einsam in Richtung chinesischer Grenze rollen und der Anblick der frisch verschneiten Berge war schlicht ueberwaeltigend. Allein: der Schnee lag auch ein wenig auf der Schotterstrasse und mit der Sonneneinstrahlung ergab dies im Laufe des Tages ueber laengere Zeit eine unglaubliche Schlammschlacht. Puaeh. Zwischendurch ging an meinem Drahtesel gar nichts mehr. Irgendwie hat es die Bodenhaftigkeit meiner Pneus etwas zu gut gemeint und den erdigen Untergrund gar nicht mehr loslassen wollen. Das sieht dann gar nicht schoen aus und einige Male bin ich nicht darum gekommen meinen Lastesel selbst zu tragen. Und mit kalten Fingern das alles zu reinigen, das war`s nicht gerade.

Nach der Grenze bei Irkestam, die ich ich nach 3 Stunden praktisch problemlos ueberschritten hatte, stand ich dann endlich in China, in der "autonomen* Provinz Xinjiang ("Schintschiang"). Und gleichzeitig habe ich wieder meist aalglatten Asphalt unter mir gehabt, so laesst sich`s rollen! Die Berge wurden wieder niedriger und als bald wuestenhaft karg, nur in den Flusstaelern blueht`s und fruchtet`s.

Zwar war dann alles in chinesischer und zum Teil in nicht weniger unverstaendlicher arabischer Schrift angeschrieben, die Leute die hier nahe der Grenze leben waren jedoch immer noch vor allem Kirgisen, z.T auch Uiguren. Von daher also kein so abrupter Wechsel. Aber mit russisch ist nun endgueltig fertig. Ich muss mich also daran gewoehnen wie ein Dubeli dazustehen und nicht mal Bahnhof verstehen zu koennen. Schade.

Die Einfahrt in Kashgar hat mir dann doch gezeigt, dass das nun also China ist, in dem ich nun rumkurve: vermehrt sind die Augen nochmals etwas schlitziger geworden und die protzigen Fassaden der Haeuser zeigen hier den Einfluss Beijings.

Und heute dann der beste, groesste und am heutigen Tage sicher auch schlammigste Bazar Zentralasiens. Fantastisch. Hab doch mal ein wenig eingekauft. Da begreiffe ich nun so richtig die Faszination der Seidenstrasse. Orientalik pur ist hier zu spueren. Diese Gesichter, diese Farben, diese Duefte, dieser Schlamm.

In etwa 2 Tagen habe ich dann vor, doch in Richtung Tibet loszufahren, in der Hoffnung, dass der Regen hier nicht den Schnee dort gebracht hat...

Res aus Ali / Shinquanhe im Tibet ("China")
schrieb am 03.11.2003 um 09:41 Uhr:

Ein warmes Bett ist doch was schoenes, zum kuscheln und gern haben, zum sich sauber fuehlen. Es gibt dir warm und du ihm, das ist wahre gegenseitige Liebe!

Ihr seht, ich geniesse es schon ein wenig, den Komfort hier in Ali, dieser Retorten-Stadt, die die Chinesen ins Niemandsland gesetzt haben und die so gar nicht in die Umgebung passt.
Und die Umgebung: das ist TIBET! Ich bin nun also tatsaechlich dort angelangt, wo es mich seit der Schweiz hingezogen hat: bei den hoechsten Bergen und der hoechstgelegenen Kultur der Welt! Von Kashgar hierhin war`s doch ein hartes, kaltes Stueck Arbeit, die sich jedoch fuer jeden Pedaltritt gelohnt hat! Berge...

Nach Kashgar, das ich am 14.Oktober verlassen habe, war`s noch gemuetlich: Uigurendoerfer, Baumwollfelder, Baumreihen, ein paar Fluesse und ab und zu ein wuestenhaftes Stueck sind an mir vorbeigezogen, auf gutem, flachem Asphalt. In Yarkant/Shache und Kargilik/Yecheng noch ein letztes Mal uigurisches Stadtleben: die spannenden, schoenen Altstadtkerne sind hier (wie auch in Kashgar) arg vom der haesslichen, billigen Badzimmerplaettli-Architektur der Chinesen bedraengt. Es ist zu fuerchten, dass in diesen Staedten in kurzer Zeit nicht mehr viel von der Seidenstadtromantik zu spueren ist.

Nach Kargilik kam dann die simple Kreuzung. Die rechte Strasse sollte nun also hinauf in ungeahnte Hoehen fuehren, der Beginn des Western Tibet Highways, geradeaus waere es gemuetlich weiter den Oasenstaedten am Suedrand der Takla Makan entlang gegangen, aber wer will`s schon gemuetlich. Unweit dieser Kreuzung habe ich mein letztes Lager in den Niederungen aufgeschlagen, ohne Zelt, einfach im Schlafsack unter offenem Himmel, Sterne guckend wie man sich`s schoen vorstellt, es war ja noch recht warm, d.h. knapp ueber Null Grad in der Nacht.

Und am naechsten Morgen ist`s dann rauf gegangen.

Zu Beginn waren die Steigungen noch maessig, ein paar Doerfer haben etwas kulturelle und kulinarische Abwechslung geboten und vor allem hatte es Asphalt. So bin ich den eingetaucht in die Berglandschaft des Kunlun Shan, dem Gebirgszug am Nordrand des tibetischen Plateaus. Locker vom Hocker bin ich so bis auf den ersten Pass (ca. 3150m) geradelt, wo ich, vor allem aus akklimatisationsgruenden mein Zelt auf einem Strassensims aufgestellt habe. Rundherum lagen die Schneeresten des Kashgar-Regens, bereits hier unten, und der Asphalt, der gehoerte nun also der Vergangenheit an...

Der naechste Tag sollte dann einiges haerter werden. Die Nacht war natuerlich kalt gewesen, aber noch zum aushalten. Das morgendliche Bergpanorama hat Motivation genug gegeben rasch weiter nach Sueden in die Berge vorzustossen. Eine kurvenreiche 800 Hoehenmeter-Abfahrt hat natuerlich den Anfang leicht gemacht.

Und dann eine Baustelle, eine lange Baustelle.

Im eindruecklichen, schluchtartigen Tal das ich nun emporfahren sollte sind die Chinesen, wohl so an die 1000 Arbeiter, daran auf rund 60km laenge eine neue Strasse zu bauen, was bedeutet hat, dass nur abschnittsweise mit so etwas aehnlichem wie einer Strasse zu rechnen war. Dazwischen hiess es unzaehlige Male sich ueber eine Schotterpiste im Flussbett oder am Berghang zu kaempfen und wiederholt abzusteigen um einen der Seitenbaeche zu durchwatten. Eine muehseelige Arbeit. Vollumfaenglich mit diesen Problemen beschaeftigt bin ich so nach dem letzten wirklichen Uigurendorf, Kudi, in einen Checkpoint gerasselt, den ich hier nicht erwartet hatte. Zu spaet umzukehren da bereits gesichtet, habe ich mich meinem Schicksal ergeben und siehe da es ist mir hold gewesen: sie haben mir zwar mal den Pass abgenommen und mich eine Viertelstunde warten lassen, danach wurde ich jedoch ohne weiteres fahrengelassen. Glueck gehabt.

Und dann die Hoehe.

Der naechste, 2. Pass hat mich bereits auf eine Hoehe von ca. 4850m gefuehrt und da bin ich doch tuechtig ins schnaufen gekommen. An den Tian Shan- und Pamir-Passen hatte ich mich zwar bereits ein wenig an die Hoehe gewoehnen koennen, dieser da ist jedoch einiges hoeher gewesen. Zuoberst dann noch ein kleiner Schneessturm. Der hat mir die schoene Aussicht die ich dort haette haben sollen vermiest, so mit K2 und anderen Bergen. Was soll`s, ich bin froh gewesen nach der Abfahrt im Truck-Stop-Ort Mazar (das sind ein paar Huetten) ein warmes Bett und frische Nudeln zu bekommen.

Nach Mazar ist die Strasse dann den Laengstaelern nach Osten gefolgt, auf nun deutlich schlechterem Strassenterrain, dem Western-Tibet-Highway-Standard eben, wie ich bald bemerken sollte. Aber eine sagenhaft schoene Landschaft: oben die Berge frisch mit Schnee bepudert (sonst ist es hier deutlich trockener gewesen und hat weniger Schnee als weiter im Norden gehabt, zum Glueck!), unten die weit ausladenden Taeler in herbstlichen Farben.

Eine kalte Nacht habe ich auf dem 3.Pass auf rund 4800m Hoehe verbracht. Ein wunderbarer Morgen hat mich darauf erwartet: ein leichter Schneefall hatte in der Nacht die Landschaft mit einem eisigen Schleier ueberzogen. War dass ein Glanz in der Morgensonne.

Nach Xaidulla und Dahongliutan, 2 weiteren Truck-Stop-Ortschaften, ging`s dann endgueltig rauf, hinauf auf`s Plateau von Aksai Chin. Waehrend dreier Tagen bewegte ich mich in +/- 5000m, mit 2 bitterkalten, langen Naechten (-15 Grad im Zelt). Zum Glueck habe ich genug Benzin gehabt um mir ein paar naechtliche Waermeflaschen zu machen. Ein jeweils langes warten auf die ersten, waermenden Sonnenstrahlen. Das Aksai Chin, eine eindruecklich oede Landschaft mit vielen (gefrorenen) Seen und zahlreichen seichten Paessen. Da hat sich mir was eingepraegt.

Hart ist fuer mich da oben nicht nur das Radeln auf der meist sehr schlechten Strasse gewesen, sondern auch mein Sitzpolster: Diese Ratterstrasse hat meinen Drahtesel stark beansprucht, aber der hat sich tapfer gehalten. Nur einmal hat er richtig gebockt und mich vom Sattel geworfen, d.h. den Sattel hat er gleich mit abgestossen, der ist naemlich abgebrochen. Zuerst war`s nur die Fixierschraube, nach einer ersten behelfsmaessigen Draht-Fixage dann auch die beiden Federbuegel. Meinen "Hard-Seater" habe ich sodann mehrere Male mit Draht neu richten muessen und ich bin erstaunt das er mich nun bis Ali getragen hat. Wohl ein halbes Kilo Draht und zur Versteifung einen Zylinderkolben, den ich gefunden habe, das war schlussendlich die Loesung, eine unbequeme halt. Ich und mein Einzylinder-Sattel. Das andere Opfer, das ich nach einigen Rettungsversuchen aufgegeben habe, das war mein Vorderpneu, den Ersatz hatte ich zum Glueck von Dani erben dürfen und so war`s ein kleines Problem.

Und dann Tibet!

Irgendwo am Ende des Aksai-Chin-Plateaus bin ich dann nach Tibet gelangt. Dass dem wirklich so ist, dass habe ich erst kurz vor dem letzten hohen Pass in Sumxi sehen duerfen: erstmals habe ich in die dunklen, mich gleichfalls anstaunenden Gesichter der Tibeter geschaut. Mit bunten, traditionellen Kleidern bekleidet haben sie sich deutlich von den natuerlich auch hier anwesenden Chinesen abgehoben. Eindruecklich, dass die da oben leben koennen, in dieser Kaelte und der duennen Luft auf ueber 5000m Hoehe! In Sumxi lag wieder mal Schnee.

Ich bin froh gewesen, darauf in das darunterliegende Stockwerk, dem 4000er, runterfahren zu duerfen, weiter nach Sueden in die waermeren Gefilde. Und tatsaechlich, die Naechte wurden ca. 5 Grad waermer (ein grosser Unterschied!), die Luft etwas dicker und die Strasse noch etwas schlechter... . Da freut man sich doch auf eine wohlverdiente Abfahrt und am Schluss ist man froh das Lasteseli heil runtergebracht zu haben. Diese elende Schotter-Rippel-Wellblech-Sandpiste. Von weitem sieht sie ja meist noch gut aus, denn das einzige was hier geflickt wird sind die Strassenraender, resp. -graeben, wohl in erster Linie aus kosmetischen Gruenden, aber auch um zu verhindern, dass auf die oft vorhandenen sekundaeren Strassen ausgewichen wird. Wie mir mein Computerli jeweils abends angezeigt hat, bin ich noch mit 8-12 Kilometer in der Stunde am kriechen, da kommt man nicht mehr so rasch vorwaerts.

Zumindest ist die Landschaft immer noch wunderschoen gewesen, nicht mehr so oede wie im Aksai Chin, vermehrt steppenartig, die Berge haben kaum mehr Schnee gehabt. In Domar dann ein weiterer Checkpoint, den ich ohne Probleme passieren konnte. Irgendwie glaube ich Glueck mit dem Zeitpunkt meiner Reise zu haben: waehrend des Afghanistan-Krieges und der SARS-Epidemie war Tibet fuer Auslaender gesperrt gewesen, das scheint jetzt vorbei zu sein.

Nach Domar hat mich ein weiterer Pass und ein muehsames Sandtal an den grossen Niak-See gebracht. Das nicht mehr eben Touristen-Hauptsaison ist, das habe ich hier dann deutlich gemerkt. Die Touristen-Boote und -Haeuser lagen ruhig und verschlossen am Ufer - eine erwartete Verpflegungs-Staedte ist so weggefallen. Ich habe mich dann halt am Abend dieses Tages spaet noch bis nach Rutok-Xian durchdruecken muessen um dort einen ersten Kulturschock zu erleben (der 2. war dann Ali): hier ploetzlich auf eine solche chinesische Kleinststadt zu treffen, das ist ein eigenartiges Gefuehl gewesen, als ob man eine Fata Morgana sehen wuerde, per Luftspiegelung von jenseits der Berge hierhin projiziert, wo sie eigendlich nicht hingehoeren duerfte. Aber man nimmt was man kriegt und das ist ein haessliches, kaltes Hotel in dem man hart um den Preis maerten muss und die Moeglichkeit wieder Mal nach Hause anrufen zu koennen. Und natuerlich nimmt man sich ein gutes Essen, sprich Nudeln, wie fast immer. Ja, eine gute Pizza, wie noch schoener waer`s.

Nach hierhin, nach Ali, waren`s dann nur noch 130km fuer die ich jedoch ganze 3 Tage benoetigt habe. So eine Mist-Holperstrasse und dann noch zusaetzlich mit diesem bloeden Gegenwind. Aber so ist es halt, das Velofahren und hier in Ali angekommen bin ich auch so, ueber den Lame-Pass, gestern Abend.

Heute ist nun ein "Haenger-Tag", auch das muss mal sein. Morgen versuche ich dann das Visum hier zu verlaengern, es laeuft in einer Woche ab. Das sollte aber kein Problem sein, hoffe ich! Und vielleicht bekomme ich ja auch ein Permit fuer die Kailash-Region! Das ist naemlich mein naechstes Ziel, der heiligste Berg auf Erden! Wenn`s denn ueberhaupt so was gibt. Das Permit waere schon praktisch, habe ich doch wirklich keine Lust bei kalter Nacht die Checkpoints zu umgehen, wie man mir geraten hat. Aber auch hier bin ich guten Mutes. Im heutigen kapitalistischen China ist mit Geld fast alles moeglich.

Die weiteren Aussichten.

Es gibt von hier, resp. dann der Kailas-Region aus eigendlich nur 2 Auswege: der eine ist derjenige nach Lhasa, der andere derjenige nach Nepal und den habe ich vor zu nehmen. Nach Kathmandu sind es noch 1400km... . Dort soll`s dann richtig warm sein.

Und danach? Trekken? Abstecher nach Indien? Vielleicht habe ich genug gesehen und komme Heim in die Schweiz, zu Mei-Lin und Euch allen? Ich werd`s sehen.

anna blum (annadieblum@hotmail.com) aus solothurn
schrieb am 30.11.2003 um 13:31 Uhr:

Res aus Saga im Tibet, Anna schrieb am 25.11.03

Jupi-unser unverwüstlicher Abendteurer Res hat angerufen!
Offensichtlich hats mit der Visumverlängerung geklappt.
Heute ist er in Saga, 200km nördlich von Kathmandu, wo er in 1 Woche sein will. So verlässt er nun den Western Tibet Highway & macht quasi die Abkürzung zum Friendship Highway, der zur Grenze Nepal führt.
Es gehe ihm gut, er kämpfe nicht mit Lamblien und co, dafür mit der Kälte und damit langen Nächten. Und sein Lastesel gehe auf den Felgen. Er hofft die Schläuche flicken zu können oder Ersatz zu finden.
Res-Du lieber reisender Lebenskünstler- wir freuen uns auf Dich&Deine Geschichten! Vielleicht schon bald unter dem Weihnachtsbäumchen?
Carpe diem

Res aus Kathmandu (Nepal)
schrieb am 04.12.2003 um 17:50 Uhr:

Ich bin in in Nepal! Das grosse Ziel KATHMANDU ist erreicht. Und alles ist heil (oder geflickt) - zum Glueck koennen gute Felgen und abgehaertete Hinterteili viel aushalten.

So viel fuer`s erste, melde dann spaeter mehr. Muss mich zuerst warmgewoehnen, an Klima und Touristenberge. Und es gibt viel zu sehen hier, zu berichten, ja, das auch.

barney bear (barneyblum@bluemail.ch) aus basel
schrieb am 06.12.2003 um 13:34 Uhr:

... ja, denn die diaprojektoren in kathmandu steigen die ganze zeit aus - und das schadet jeweils dem vortragsfluss ganz beträchtlich.

Mei-Lin (mei-lin.jacot@gmx.ch) aus Bottighofen
schrieb am 06.12.2003 um 10:48 Uhr:

Ich möchte mich den "Blumen" anschliessen: Auch ich bin natürlich hin und weg vor Stolz, dass Du es bis nach Nepal geschafft hast! Wie wär's mit einem weihnachtlichen Dia- Vortrag über Deine Reise...in der Schweiz?
barney bear (barneyblum@bluemail.ch) aus basel
schrieb am 05.12.2003 um 16:35 Uhr:

yeahhhhhhhh! ein grosses brüderliches bravo!
also von uns braven schweizern aus musst du nicht noch den mt. everest als dessert erklimmen.
barney

Res aus Kathmandu (Nepal)
schrieb am 06.12.2003 um 14:54 Uhr:

Es gibt keine Diaprojektoren in Kathmandu. Das bedeutet, dass ich die Dias noch etwas rausschieben und meinen Beinen etwas Abwechslung bieten will. Wenn die Berge so nah und die Blutgefaesse so richtig mit roten (und weissen) Blutkoerperchen vollgepumpt sind, dann sollte man noch etwas in die Hoehe gehen, besonders wenn man Res heisst.

Ich bin mir nun am raussuchen welcher Trek da am besten zu mir passen wuerde und da ist das Angebot gar nicht mal so gross, da fuer Individualreisende nur wenige Gebiete einfach offen sind. Genauer gesagt muss ich mich zwischen dem Annapurna-Circuit und dem Everest-Trek entscheiden (ok, den Langtang gäbe es auch noch).

Und daneben ist natuerlich auch Kathmandu zu erkunden. Ich bin da von einer Indierfamilie etwas in Obhut genommen worden und werde Tag fuer Tag rumgefuehrt resp. per Motorrad durch den dichten Verkehr gefahren.

Heute ist`s hier besonders interessant: ueberall laufen Samichlaeuse durch die Gassen, alle mit rotem Punkt zwischen den Augen und in orange Tuecher gehuellt.

Sabä (huesi99@hotmail.com) aus zürich
schrieb am 09.12.2003 um 08:38 Uhr:

....ja und stellt dir vor, ich hab gehört, dass sich dias in dieser höhe einfach so in luft auflösen können...

res aus Kathmandu (Nepal)
schrieb am 09.12.2003 um 10:37 Uhr:

Es ist gar nicht mal so einfach sich hier in Kathmandu, dieser bunten, touristischen Stadt, mit all den lauten, ueberfuellten Strassen, zurueck nach Tibet zu versetzen. Es ist eine solch gegensaetzliche Welt. Tibet war ein Traum zuvor und meine Velofahrt dort oben kommt mir bereits wieder wie nur getraeumt vor.

In Ali/Shiquane war es kein Problem mein Visum zu verlaengern und ein Permit habe ich auch gekriegt. Nur: nach letzterem hat nie jemand gefragt und es wurde immer nur das Visa kontrolliert. Es war trotzdem beruhigend ein Permit zu haben, hatte ich doch mit Wind, Kaelte und vor allem der Strasse genug zu kaempfen und mich noch zusaetzlich vor den chinesischen zu verstecken, dazu hatte ich wirklich keine Lust.

Nach Ali dann erstmals ein wundersame Ueberraschung: Asphalt! Nigelinagelineu und schnurgerade zog sich diese plane Flaeche in Richtung Sueden um ueber einen Pass ins Gar-Tal zu fuehren. So wunderbar rund kann es sich rollen, ohne das Geaechts aus den Tiefen der Stahlrohre meines Eselchens hoeren zu glauben. Und wenn der starke Gegenwind mir nicht die Freude verdorben haette, es haette ein Traumtag werden koennen...

In Namru habe ich nach einer Nacht bei herzlichen Tibetern den Aspahlt schweren Herzens vorzeitig verlassen um mich auf einer steinigen Holperstrasse mit mehreren muehsamen Bachueberquerungen wiederzufinden. Die Entscheidung war mir ohnehin schwergefallen hier nach Sueden abzubiegen: ich hatte vor, einen Abstecher nach Zhada (oder Tsada, Zhanda,etc.) und zu den Ruinen des Guge-Koenigreiches zu unternehmen. Ich sollte ein ganze Woche dafuer benoetigen. Bei gegenstuermischem, wolkenverhangenem Wetter drueckte ich mich ueber 2 hohe Paesse. Wie froh war ich, als ich beim 2. Pass bereits oben war, als mein Hoehenmesser erst 5350m angezeigt hat, nach Lonely Planet (diesem Schrottbuch, in dem praktisch keine Wegbeschreibung stimmt) haette sich die Passhoehe auf 5612m befinden sollen! Und kalt war`s da oben.
Die Abfahrt hat mich auf eine herrliche Steppenebene gefuehrt hinter welcher ich erstmals die grandiosen Riesen des Himalaya erblickt habe, dominiert vom schlanken Knubel des Kamets und etwas weiter enfernt der Nanda Devi-Gruppe. Hat mich doch fast umgehauen. Cheibe schoen.

Nach einer Nacht bei einer einfachen Tibeter-Familie im Zelt (wobei der ca. 12-jahrige Sohn mir die Uhr geklaut hat und darauf eine deftige Schelte seines Vaters eingeheimst hat) ging`s dann runter in die maerchenhafte Welt des Sutlej-Tales. Der Sutlej, weiter unten einer der groessten Fluesse des indischen Subkontinentes, hat sich hier tief in die Sedimente einer grossen Ebene eingefressen und dabei eine Landschaft im Style des Grand Canyons kreiert. Via einem der verschlungenen Seitentaeler tauchte ich ein, in diese bizarre Felslandschaft mit all den Erosionsrillen, Spitzen und Tuermchen. Zhada erreiche ich spaet am Abend, nachdem mich mehrere Platten kurz vor der Stadt wiederholt aufgehalten haben. Zhada selbst ist nichts besonderes, eine chinesische Stadt ohne Charme. Das aendern auch die 3 Gebauede des Thoeling-Klosters nicht, die hier am Rande der Stadt stehen und der sinnlosen Zerstoerungswut der Chinesen waehrend der Kulturrevolution entgangen sind. Einst war Thoeling eines der groessten Kloster im Tibet gewesen. Ich habe in Zhada vor allem 2 Dinge genossen: die guten Nudeln und die Waerme. Zhada liegt auf nur noch ca. 3500m.

Am naechsten Tag dann die Kroenung dieses Extratrips: die Guge-Ruinen. An und in die Felsen einer in die Talebene reichenden Rippe geklebt, bilden sie zusammen mit der grandiosen Umgebung bereits von weitem einen eindruecklichen Anblick. Als ich dort nach einer 20km Fahrt ueber eine schreckliche Rippelstrasse angekommen bin, war das Eingangstor offen und ich konnte mir die Ruinen, Hoehlen und Grotten in aller Ruhe ansehen. Spaeter aber bin ich dann doch noch aufgestoebert und angehalten worden die rund 20 sFr. Eintrittsgeld zu bezahlen. Das ist fuer Tibet doch eine ganze Menge Geld (aber immer noch 3mal weniger als es noch vor 2 Jahren gekostet hat...). Dafuer hatte ich einen Fuehrer, der mich rumgefuehrt hat und mir die wunderschoenen buddistischen Wandmalereien aus dem 15.Jhd. in den gut erhaltenen Gebaeuden zeigen und erklaeren konnte. Er war zu diesem Zeitpunkt nicht eben ueberbeschaeftigt gewesen, war es doch bereits ueber eine Woche her, dass die letzten Touristen hier waren. Ich genoss den Sonnenuntergang auf dem Logenplatz zuoberst um dann bei Vollmond nach Zhada heimrattern zu duerfen.

Um zurueck zum Western Tibet Highway zu gelangen wollte ich die andere, neuere Strasse nehmen, die Zhada mit dem Rest der Welt verbindet. Auf keiner meiner Karten eingezeichnet, musste ich in der Stadt rumfragen wo ich denn da die Abzweigung finden koenne. Erstaunlicherweise konnte mir da erstmal niemand helfen. Ich konnte es nicht glauben, aber die Chinesen koennen wirklich keine Karten lesen und schwer von Begriff scheinen sie auch noch zu sein. Schier am Ende meiner Nerven ist dann mein Erzengel Michael in Form eines etwas weiseren Tibeters aufgetaucht. Er zeigte einfach auf einen Tal-Einschnitt auf der anderen Seite des Sutlejs: dort, dort musst du rauf. So einfach, und es hat hingehauen.

Die Strasse war`s die richtige, aber was fuer ein Kampf die raufzupedalen! Sie windet sich durch die wunderschoen erodierte Sandsteinlandschaft hinauf auf ein Plateau, wobei die Strasse meist kneocheltief mit Sand ueberdeckt ist. Da gibt`s oft nur eines: Velo stossen und froh sein um jeden Meter den man hinter sich hat. Auf dem Plateau war`s dann etwas besser. Und alsbald ging`s recht flott vorwaerts, meist rauf und runter, da zahlreiche tief einerodierte Taeler zu queren waren. Aber mit (recht) guter Strasse konnte ich hier wieder vermehrt den Blick vom Schotter vor meinen Raedern losreissen und ihn uber die endlose Berglandschaft schweiffen lassen. Im Sueden waren wieder die Himalaya-Riesen aufgetaucht. Angesicht dieses praechtigen Panoramas liess sich auch wunderbar Zelten. Die beiden wiederum recht hohen Paesse, die mich noch vom Western Tibet Highway trennten, fuehrten mich durch ein wunderschoene, einsame Gegend.

Den Western Tibet Highway erreichte ich spaet am Abend, nach Einbrechen der Dunkelheit im Schein meiner Stirnlampe. Der Low Raider war mir kurz vor Sonnenuntergang fast zuoberst auf dem 2. Pass nach Zhada gebrochen als ich noch gehofft hatte bei Tageslicht unten anzukommen. Eine behelfsmaessige Reparatur mit klammen Fingern dauert immer etwas laenger und die Strasse runter war wieder einmal eine jener Geroellhalden wie man sie genau zu diesem Zeitpunkt zuletzt erhofft.
Die Soldaten in der Militaerbasis die ich sodann erreichte, waren sehr freundlich, ich war`s dann nicht mehr als sie 150 Yuan (25 sFr) fuer ein einfaches Bett verlangten. Ich hatte den Fehler gemacht zu sagen, dass ich aus der Schweiz komme (aah., Swiss Banks!). Wuetend habe ich mich wieder raus in die Nacht begeben und mein Zelt irgendwo in ein Bachbett gestellt. Es war natuerlich wieder saukalt. Ich entwickelte langsam eine Aversion gegen die Chinesen im Tibet.

Wieder auf dem Western Tibet Highway war der Asphalt natuerlich verschwunden, aber die Strasse war immer noch erstaunlich gut, was natuerlich nicht lang waehren konnte. Ich erreichte Misar, ein echtes Tibeterdorf, wie ueblich von Abfallbergen umgeben. Von hier aus wähnte ich bereits den Kailas in der Ferne, jedoch noch halb verdeckt. Auf der Weiterfahrt nach Westen kam er dann mehr und mehr in Sicht, bis ich dann vor ihm gestanden bin. Dieser heilige Berg mit der horizontalen Schichtung die ihn wie eine riesige Stupa erscheinen laesst, in dessen unmittelbarer Naehe Indus, Brahmaputra, Ganges und Sutlej entspringen und der das ersehnte Ziel so mancher Pilgerfahrt ist.
Aus Zeitgruenden und da das Wetter nicht als eben gemuetlich bezeichnet werden konnte, habe ich auf die Kora, die Umrundung des Berges, verzichtet. Ich hatte vor allem ein Beduerfnis: den Manarasowar-See, der zusammen mit dem Kailas das heilige Zwiegespann dieser Region bildet, und das Chiu-Kloster zu besuchen, in dessen unmittelbarer Naehe eine heisse Quelle ein warmes Bad in einem Badehaus ermoeglicht. Oh, ist das schoen sich nach 2 Wochen Staub, Dreck und Schweiss wieder sauber zu fuehlen. Und die Umgebung des Chiu-Klosters ist fantastisch, mit dem See, der riesigen Ebene, dem Berggiganten Kurla Mandata im Sueden und nicht zuletzt dem Kailas im Norden.

Frisch gabadet und mit Eindruecken gesaettigt machte ich mich weiter auf die Reifen in Richtung Maryum-La, dem naechsten hohen Pass. Nach Hor Chiu habe ich mich dabei zuerst einmal im Sandsturm verfahren, da ich, wie so oft, neben der eigendlichen Strasse geradelt bin und so eine Abzweigung erwischt habe, die ich nicht gesehen hatte. Ich habe meinen Irrweg erst bemerkt als die Strasse so schlecht wurde, dass sie selbst fuer den Western Tibet Highway nicht mehr akzeptabel war und ich riesige Herden wilder Esel (Kiangs) durchstrampelte, wie man sie entlang der Hauptstrasse nicht zu sehen bekommt. Es ist ein bitterer Moment, wenn man realisiert, dass man das Velo die zuletzt erkaempften 8km wieder zurueckstossen muss, an Fahren war im tiefen Sand nicht zu denken. Ich erreichte an diesem langen Tag mit dem mageren Ertrag ein paar Tibeterhaeuser wo ich mein Zelt im Schutze von ein paar Mauern aufstellen konnte. Der Wind hat den ganzen Tag mit voller Staerke geblasen.

Immerhin erreichte ich am naechsten Tag den Maryum-La, wenn auch erst bei Sonnenuntergang und die Nacht etwas unterhalb der Passhoehe sollte daraufhin die kaelteste meiner gesamten Reise werden: -19 Grad im Zelt zeigte meine Uhr an. Vor dem Pass hatte ich das erste Mal richtig Probleme Wasser zu finden, da all die kleinen Bachlaeufe durchgefroren waren und auch der grosse See dem ich entlanggefahren bin von einem grossen Eisring umgeben war. Die zahlreichen Nomaden hier und die unzahligen Yakherden mussten aber von irgendwo Wasser haben und so fragte ich denn bei einem einsamen Nomadenhaus um ein paar Tropfen. Die haben mich sogleich ins Haus eingeladen und mich mit heissem Wasser (fuer die Flaschen), sowie Yakbuttertee (der ist entgegen seinem Ruf gar nicht mal schlecht, fand ich jedenfalls) und Zampa (geroestetes Mehl das mit dem Tee angeruehrt wird) versorgt. Eine schoene Begegnung und das warme Wasser in den Flaschen ist bis am Abend nur leicht gefroren.

Die weitere Reise nach Westen hat sodann dem typischen Bild das ich bereits zuvor vom Tibet gehabt habe entsprochen: grosse ausladende Ebenen mit kargen, zum Teil weissen Bergen darueber dominierten das Landschaftsbild. Ich passierte Paryang, das in einer riesigen, mit zahlreichen grossen, wunderschoen geschwungenen Sandduenen (sog. Barchan-Duenen) bestueckten Ebene liegt. Entsprechen sandig und muehsam war natuerlich die Strasse. Zwischen den Duenen weideten unzaehlige Yak- und Schafherden. Im Sueden ragte nach wie vor der Himalaya in den Himmel, dessen Berge jeweils nur sehr langsam meinem Blickfeld entschwanden. Die Fernsicht war excellent und die Tage sind deutlich waermer geworden.

Entlang dem Yarlung Tsangpo (Bramhaputra) fahrend stoppte ich nach ein paar weiteren kleinen Paessen in "New" Zhongba, einer weiteren kleinen Chinesenstadt in der die Tibeter wenigsten ein paar Akzente setzen konnten. Und hier hatte ich die besten Momos, das sind kleine tibetische Teigbroetchen, gegessen.

Irgendwann bin ich dann in Saga angekommen, fuer mich der Endpunkt auf dem Western Tibet Highway und die erste Moeglichkeit nach Ali wieder einmal etwas von mir zuhause hoeren zu lassen. Einen Tag habe ich hier ausgespannt, einen weiteren Tag musste ich unfreiwillig anhaengen, da ich, als ich einige Kilometer nach Saga am Bramhaputra stand, keine Faehre hatte. 6 Stunden Tageslicht musste ich am Ufer abwarten bis man mich um 6Uhr abends ruebergeschifft hat und ich am eigendlichen Startpunkt fuer die Abkuerzung zum Friendship-Highway, der Strasse von Lhasa nach Kathmandu, stand. Aus Erbarmen haben sie mich immerhin mit Momos und Red-Bull eingedeckt.

Die Strasse fuehrte wieder einmal ueber 3 Paesse. Die Abfahrt vom letzten war ein warer Genuss: durch eine enges Tal abgefahren, gelangte ich an einen Aussichtspunkt mit einem einmaligen Panorama vor Augen: zu Fuessen die riesige Seeflaeche des Putso Tso, zur rechten die Himalya-Berge, dominiert von der wunderschoenen Spitze des Kang Benshi und dahinter dem Shishabangma. Die Strasse war schlecht, zur Abwechslung, die Fahrt in der Ebene entlang dieser Berge jedoch schlicht phantastisch. Wie zur Zirde hingestellt befinden sich hier einige typische Tibeterdoerfer sowie Ruinen die sich perfekt ins Landschaftsbild einfuegen.

Und dann erreicht ich endlich den Friendship-Highway. Super Strasse! Ich ueberwand die paar hundert Meter Hoehenmeter zum Lalung La in einem raschen, abendlichen Kraftakt um danach bei einer einfachen Huette bei Tibetern unterzukommen. Die herzliche Bewirtung dort war ein schoener Abschied vom Tibet-Plateau. Am naechsten Tag ging`s das letzte kurze Stueck rauf auf den Tong-La, den letzten 5000er Pass mit einer Deluxe-Aussicht auf zahlreiche 7000er und den nach wie vor dominierenden Shishabangma.

Von diesem Punkt aus, dem Tong La, sollte es nun also runter gehen, rund 4350m! Das Abfahrten ganz schoen anstrengend sein koennen, das musste ich dann jedoch alsbald bemerken. Der WSW, der mich in den letzten 2 Wochen vor allem vorwaertsgeblasen hatte, der fegte hier, unterstuetzt von thermischen Winden, orkanartig das Tal hinauf und lies mich kaum runterkommen. Mit sandgestrahltem Gesicht bin ich an diese Tag immerhin nach Nyalam gekommen, einer Tibeterstadt, die bereits einen starken Einfluss aus Nepal spueren laesst. Trekking- und Bergsteigershops zeigen, dass hier der Tourismus in der Saison bedeutend sein muss.

Bis Nyalam war das Tal noch zahm und relativ flach gewesen, bodenstaendig mit Talboden. Den Boden hat`s dann nach Nyalam verloren: eine Tiefe Schlucht oeffnete sich unter mir und die Strasse klammerte sich eindruecklich an die Talflanken. Der Wind war hier nur noch schwach und ich verlor nun rasch an Hoehe. Ich liess mir Zeit und genoss die Waerme die mich langsam erfasste, das gruen der Pflanzen, der Baeume und die Farben der Blumen.

Nach Zhangmu waehnte ich mich bereits in den Tropen. Ueberall wucherte und bluehte es. Ich ueberschritt ohne Probleme die chinesische Grenze, musste jedoch feststellen, dass die nepalesische Grenze frueh schliesst. Hier ist man jedoch unkompliziert und ich konnte nach dem Grenzposten in einem Hotel uebernachten um am naechsten Tag zureuckzukehren um mir mein Visum zu holen.

Von hier an sollte offensichtlich werden, dass ich mich nun in einem dichtbesiedelten Land befinde. Ueberall hatte es Leute und die Strassen sind stark befahren. Die steilsten Berghaenge sind mit Tersassenbau fruchtbar gemacht worden. Die starke Militaerpraesenz, die zahlreichen Checkpoints und die abendlichen Ausgangssperren machen deutlich, dass sich Nepal im Buergerkrieg befindet. In Dholughat, nurmehr auf 700m Hoehe, sprach ich waehrend dem Nachtessen mit einem Nepalesen (hier koennen plotzlich so viele Englisch!) und ich merkte wie verunsichert die Leute sind. Offensichtlich findet eine regelrechte Flucht nach Kathmandu statt, wo es deutlich sicherer ist.

Der Grenzuebrtritt brachte noch einen weiteren Wechsel mit sich, an den ich nicht gedacht hatte: nach mehreren seltsamen Ausweichmanoevern daemmerte es irgenwo in meinem Hinterkopf, dass hier ja wie in Indien Linksverkehr sein koennte... .

Nachdem ich in Dolughat einen Barber meine inzwischen recht langen Gesichtshaare habe abschaben lassen, machte ich meine letzten 800 Hoehenmeter hinauf nach Kathmandu. Moerderisch dichter Verkehr vor und in der Stadt lernte mich darauf wesshalb man eine Klingel am Velo hat.

Und nun bin ich hier und habe vor in ein paar Tagen von Jiri in Richtung Khumbu loszumarschieren.

Mei-Lin (mei-lin.jacot@gmx.ch) aus Bottighofen
schrieb am 19.12.2003 um 15:34 Uhr:

Wisst Ihr übrigens, was NEPAL bedeutet? "N"ever "E"nding "P"eace "A"nd "L"ove. Ich hoffe, die Maoisten nehmen sich das zu Herzen...

Andrea & Dirk (andrea.huber@gmx.de) aus Muenchen, Deutschland
schrieb am 01.01.2004 um 13:23 Uhr:

Hallo Res,

ich bin das Maedel aus Deutschland, das Dich gemeinsam mit meinem Freund in Lukla getroffen hat und das die Himalaya Trekking Tour aus Erkaeltungsgruenden abbrechen musste..
Wir sind jetzt Kathmandu angekommen, hatten Dich aber auf der Strassen-Sylvester-Party nicht mehr getroffen - wen wunderts bei den Menschenmassen! Werde mir Deinen Reisebericht bei meiner Rueckkehr in M. durchlesen. War aber super spannend, Dich kennengelernt zu haben.

Gute Weiterreise noch und ein gutes Neues Jahr 2004!

Gruss, Andrea

Res aus Kathmandu (Nepal)
schrieb am 02.01.2004 um 12:49 Uhr:

Allen ein gutes neues Jahr, mit Never Ending Love And Peace!

So bin ich also wieder zurueck aus den Bergen hier unten im laehrmigen Kathmandu, wo "Liddle Father Freezer (unter Laien auch als "Vaetterchen Frost" bekannt) fuer kuehle Temperaturen zum Jahresbeginn sorgt. Kathmandu, endlich.
Lukla ist kein schoener Ort und vor allem dafuer bekannt, dass muede Trekker in Rage verfallen wenn ihre Rueckfluege gestrichen werden. Lukla ist seinem Ruf gerecht geworden. Wir durften Silvester nach langem warten in Lukla feiern, mit dem Vorsatz fuers neue Jahr, nie mehr einen Gorkha-Airline-Flug zu buchen.

Wir, das sind Pete aus Australien und ich. Fabienne (vom Berner Medizinerchueche) hat uns zwei kurz vor meinem Trekking-Start via E-Mail verkuppelt. Ein Gluecksfall. Es ist doch schoen nach 3 Wochen einsamen rumradelns wieder mit jemandem rumzureisen mit dem man sich bestens versteht.

Nach einer wilden 8h-Busfahrt sind wir zusammen von Jiri aus losgezogen und waehrend 17 Tagen zu den Bergriesen um den Everest im Khumbu-Tal gepilgert. Wie es so auf Pilgertouren ist, man ist nicht allein. Nach einer einsameren ersten Woche im Gruenen vor Lukla reihten wir uns ein in den Trekkerstrom der vom Flugplatz her in Richtung Everest Base Camp raufstroemt. Fuer mich waren das die ersten richtigen Gehversuchstage nach einem halben Jahr des Rumsitzens. Ich musste mich da erst wieder einlaufen und es dauerte ein paar Tage bis meine Fuesse nicht mehr schmerzten und die ersten Blasen verheilt waren... .

Trotz aller Wahrnungen und Angstmachereien: Maoisten haben wir keine angetroffen und es blieb bis zum Ende schwer vorstellbar, dass sich dieses Land in einem Buergerkrieg befinden soll. Der ist aber leider eine Tatsache und es bleibt ein mulmiges Gefuehl zurueck, da man spuehrt das die Leute hier schwer unter der Situation leiden, waehrend wir hier unsere Ferien verbringen. Wie schwer die Last des Alltags hier lastet, laesst sich an der Last der "Porter" abschaetzen, die mit einer einfachen Schlinge ueber dem Kopf den selben Weg wie wir mit bis zu 60kg auf dem Ruecken unermuedlich und stetig zuruecklegen. Das ganze fuer ein paar Franken pro Tag, weit weg von ihren Familien.

Ob Namche Basar legten wir einen (sinnvollen) Zwangsakklimationstag ein, nachdem Petes Magen die Nacht hindurch das nepalesische Essen in unermuedlichen Gaengen dem Klo weitergeleitet haben wollte. Das ganze im Angesicht der herrlichen Pyramide des Ama Dablam.

Pete hat sich dann tapfer bis Gokyo und am Weihnachtstag sogar auf den Gokyo Ri (ca 5340m) raufgekaempft. Die Aussicht von diesem Hoger in der grandiosen Bergwelt ist unvergesslich mit Cho Oyu, Everest, Lhotse, Makalu und Cholatse vor Augen. Ob es an diesem Anblick gelegen ist, das Pete sich darauf ploetzlich wieder putzmunter zeigte?
Bevor nun alle Alten und Schwachen da rauf Pilgern, sollte doch erwaehnt werden, dass es den meisten eher umgekehrt geht und als Folge der duennen Luft da oben mit akuten Kopfschmerzen und Schwindelgefuehlen unverzueglich den Abstieg in Angriff nehmen muessen, wenn sie ueberhaupt noch selbst runter kommen.

Ich habe dort oben noch einen Extra-Trip zum Knobby View gemacht, dem Aussichtshuegel vor der Cho-Oyu-Suedflanke. War sehr eindruecklich, schlicht himalayisch, mitten in dieser Welt aus Eis und Felsen zu stehen. Ich war am Abend aber doch recht muede, nicht zuletzt weil wir kurz vor dem Einnachten noch zur naechsten Huette getrabt sind. Aber in den warmen Huetten da oben, wo es selbst in den hoechstegelegenen Huetten auf ueber 5000m noch Pizza und Apple Pie auf der Menuekarten stehen, konnte ich mich recht rasch erholen.

Ueber den Cho La-Pass wanderten wir sodann am Khumbu-Gletscher und Trekker-Karavanen vorbei nach Chhukum, das Hauptziel der meisten, den Kala Patthar und das Everest Base Camp, links liegen lassend. Pete und ich hatten beide keine Lust auf noch touristischere Bergszenerien.

In Chhukung dann Schneefall in der Nacht mit Erwachen in saisongerechter, weisser Pracht. Unser letzter Aussichtspunkt, der Chhukkung Ri (5559m), bot uns so die winterliche Version eines Himalaya-Panoramas mit der riesigen Nuptse- und Lhotse Suedwand, sowie einmal mehr der schlanken Pyramide des Ama Dablam vis-a-vis als Blickfaenge. Eindrueckliche Eindruecke, nicht zuletzt fuer Pete, der zuvor noch nie ueber die 3000m-Grenze gestiegen war!

Darauf ging`s runter bis nach Lukla mit den anfangs erwaehnten Scherereien mit Gorkha-Airlines. Als wir dann schlussendlich doch noch in Richtung Kathmandu abheben konnten, gab`s dafuer eine unvergessliche Hymalaya-Show bei wunderschoener Fernsicht. Der schoenste Flug denn ich mir vorstellen konnte. Pete hat so den erzitterten Anschlussflug in die Schweiz noch erwischt. Das heisst der wurde natuerlich, nachdem er im Flugzeug 4h auf den Abflug gewartet hatte (von 1 bis 5 Uhr Nachts), in Folge Nebels ebenfalls auf den naechsten Tag verschoben... .

Sabä u Steve (huesi99@hotmail.com, schtiif@yahoo.com) aus Züri u Bärn
schrieb am 02.01.2004 um 15:27 Uhr:

```````````äs guets Nöis, Res! °°°°°°°°°°°°°°°°°°°schtatt Dunzio Siplom, zwar strom aber kes fliessends wasser, grütscht sy mr so oder so wunderbar u mr hei für di äs paar mau ine tischbombetrööte blaaset. hurra 2004, wird besser u schöner für aui.
************bis gly, oder?*********************** >>schtiif u sabä<<


Jojo, Dunzio, d`schwizer Baerge und aui Dir, das isch scho oeppis wo mr faeut! Troeoeoeoeoet. dr Res

Res aus Kathmandu (Nepal)
schrieb am 08.01.2004 um 13:35 Uhr:

Ich habe mich lange gewunden, bevor ich mich entschieden habe, aber ich werde mir nun doch noch Indien antun. INDIEN!? Das ist doch dieses ueberfuellte, heisse Land, wo Himmel und Hoelle so nahe beienianderliegen (jedenfalls auf der Strasse)! Das sagt man und das will ich mir ansehen.

Nach dem Tibet war ich so muede und ausgelaugt, dass ich dachte (und das leider auch erzaehlt habe... , sorry), sehr bald heimzukommen. Frisch gestaerkt und von zahlreichen Erzaehlungen annimiert, bin ich dann aber vom Trekken zurueckgekommen und als ich dann mein Lasteseli wieder gesehen habe und es mir gesagt hat, auch es fuehle sich wieder frisch und neu gesattelt, da habe ich mich dann entschieden mir doch noch anzuschauen, was da suedlich der Berge zu sehen ist. Morgen sollte ich mein Visa kriegen, so dass ich endlich nach Pokhara weiterradeln kann.

Res aus Pokhara (Nepal)
schrieb am 13.01.2004 um 14:32 Uhr:

Draussen regnet`s gerade tuechtig, den ersten Regen den ich seit, aeh..., Kashgar, ja natuerlich! - erlebe! Der von damals ist jedoch fast unschlagbar. Ich hoffe nun natuerlich dass dies der Niederschlag fuer die naechste Zeit gewesen ist. Morgen solls naemlich wieder rauf in die Berge gehen, ein letztes Mal, fuer ca 9 Tage, rauf zum Annapurna Sanctuary, resp. Annapurna Base Camp, kurz ABC.

Da mir Christine und Markus (Doppelttante und- Onkel) ihren Guide Bishwahang der sie hier im Oktober begleitet hat an Herz gelegt haben, habe ich diesen ebenfalls engagiert. So habe ich nicht nur eine herzliche Begleitung und ein breites Nepali-Lachen bei mir, es bietet sich so auch die Gelegenheit eine kleine Familie aktiv zu unterstuetzen.

Die Fahrt von Kathmandu hierhin war sehr schoen und erstaunlich gemuetlich, entgegen aller Wahrnungen die ich gehoert habe: natuerlich war anfangs nach Kathmandu der Verkehr beaengstigend, er hat sich jedoch rasch verduennt und kam, den zahlreichen Checkpoints sei "dank", oft nur in Schueben. Maoisten habe ich immer noch keine angetroffen, bei einem Abstecher nach Gorkha bin ich jedoch auf zahlreiche stark bewaffnete Militaers gestossen, offenbar ein untruegliches Zeichen verstaerkter Maoistenaktivitaet in dieser Region. Was die Maoisten betrifft hatte ich also Glueck gehabt, was die Aussicht, und die soll da oben fantastisch sein, anbelangt hat`s weniger hingehauen: die Berge huellten sich in Wolken und die beruehmten Tempel waren geschlossen. Was solls, die Fahrt durch die gruene, bluehende Landschaft mit den mir zuwinkenden Bewohnern hat sich auch so gelohnt. Die Berge habe ich ja dann bei der Annaehrung an Pokhara noch genuegend bestaunen koennen. Wie sich hier das Annapurna-Massiv aus den Niederungen der Huegel emporschwingt ist wirklich einmalig!

Die 2. Nacht meiner 3-taegigen Fahrt habe ich in der Schule von Abu Khaireni verbringen koennen, eingeladen von Maggie aus Konstanz, die da volontaire unterrichtet, und der Familie des Schuldirektors. War spannend kurz zu sehen wie hier der Schulbetrieb so laeuft. Mir wurde auch klar, wesshalb hier so viele Englisch sprechen: Englisch ist hier bereits bei den Kleinsten im Unterricht allgegenwaertig (so ab Kindergartenstufe). Interessant sind auch die beim morgendlichen "Antrittsverlesen" gestellten fragen, so zum Beispiel diese: "Wieviele Jahreszeiten gibt es in Nepal?" - sechs! Wer von euch haet`s gewusst?

Res aus Pokhara (Nepal)
schrieb am 22.01.2004 um 12:28 Uhr:

Zurueck aus dem Himalaya, zum letzten Mal.
Ich habe wieder mal Glueck gehabt, bin ein gleuckliches Kerlchen. Das Annapurna-Massiv gehoert zum regenreichsten Teil Nepals und das habe ich gestern abend beim zurueckradeln nach Pokhara doch tuechtig merken muessen. Aber mit einer heissen Douche vor Augen ist das nur halb so schlimm. Bloeder waere der Regen waehrend unserer (Bishawangs und meiner) 7 taegigen Wanderung gewesen. Aber da hat sich das Wetter zum Glueck von seiner praechtigen Seite gezeigt und uns vor allem an den beiden wichtigsten "Eckpunkten" eine herrliche Rundsicht erlaubt: vom Poon Hill und vom ABC aus.

Der Sanctuary-Trek (so wird die Wanderung zum ABC genannt) ist vor allem deshalb so beliebt, weil man beim Aufstieg richtig in die Bergwelt eintauchen kann. Durch eine weite Schlucht unter dem wuchtigen Machhapuchhre hindurch gelangt man hinauf zum ABC, das sich auf 4130m in einer eindruecklichen Arena unter der riesigen Suedwand des Annapurna I befindet. Ein Res musste da natuerlich noch etwas hoeher krappeln um noch mehr vom Panorama zu haben, im Tiefen Schnee hiess dies 300m Stampfarbeit, herrlich.

Das erste Ziel zuvor, der Poon Hill, ein Aussichts-Punkt der trotz seiner 3200m Hoehe wirklich nicht mehr als ein Huegel in den Waeldern ist, hat uns einen unvergessliches Panorama bei Sonnenaufgang beschert. Das unvergesslichste war dabei in erster Linie die Sicht auf die aus dem Morgennebel herausragende Suedostwand des Daulaghiris auf der anderen Seite des Kali-Gandaki-Tales. Bergromantik pur.

In Bishawang Rai hatte ich eine wunderbare Begleitung bei mir. Er war ein super Compagnion mit dem ich stundenlang waehrend des Wanderns plaudern konnte und der mir einen tieferen Einblick ins harte Leben und die spannende Kultur der Nepalis gegeben hat.

Unterwegs sind uns beim Aufstieg Simone und Raffi entgegen gekommen, aus Rueti im Zuercher Oberland, Radler wie ich. Es waren sie, die in einer einenhalbmonatigen Geduldsprobe herausfinden mussten, dass man ein China Visum in Bishkek nur via Tashkent kriegen kann. Dank ihnen konnte ich das meinige so rasch kriegen! Sie sind 2 Wochen vor mir zum Irkestam-Pass aufgebrochen und dann via Kunjerab-Pass nach Pakistan und Indien gelangt, bis sich dann unsere Wege endlich in Nepal doch noch gekreuzt haben.

Ach ja, und dann habe ich dieses Mal noch andere Gestalten getroffen, naemlich Maoisten. Das ist nicht ohne, immerhin muss man dafuer 1000 Rupees hinblaettern...

Nun geht`s also weiter nach Sueden. Geplant ist via Lumbini nach Varanasi zu radeln um dann bei Mumbai (Bombay) das Meer zu erreichen, dies so gegen Ende Februar. Dort will ich kurz das Fudi im Wasser schwenken und dann geht`s nach Hause. Richtig, NACH HAUSE! Zurueck zu Euch, den Lieben, den Vertrauten.

Res aus Varanasi (Indien)
schrieb am 30.01.2004 um 14:07 Uhr:

Im ewigen Gruen – Indien!

Pokhara habe ich erst am spaeten Nachmittag meines geplantes Abfahrttages verlassen, am 24. Jaenner. Am Morgen hat`s wieder mal einen tuechitgen Sprutz vom Himmel gegeben. Es war also Zeit, Nepal zu verlassen um nicht noch mehr abzubekommen. Zum Glueck war mir die Sonne von da an wieder hold. Suedlich von Pokhara hat es eine rund 100km breite, gruene “Voralpen”-Zone von 1000- und 2000m-Huegeln in die sich die Baeche zum Teil tief eingegraben haben. Entsprechend hart war natuerlich das Auf und Ab runter zur Ebene. Aber die Strasse ist wunderbar asphaltiert und ich konnte nochmals etwas am Nepali-Leben teilhaben. Verkehr hat es nur wenig gehabt, das sollte sich alsbald aendern…, ou jooh...

Auf der letzten Huegelkette bei Tansen konnte ich am Morgen frueh nochmals einen herrlichen Sonnenaufgang erleben und mich von den wunderbar im ersten Tageslicht leuchteten Bergen mit Dhaulagiri, Annapurna und Manaslu verabschieden. Ciao, ciao, ihr Schoenen.
Ich genoss diesen Morgen gemeinsam mit Gregor und Beda, 2 Basler die ebenfalls aus der Schweiz hierhingeradelt sind und die ich hier zufaellig angetroffen habe (siehe www.cyclex.ch). Alle treffen sich die Radler in Nepal.

Nach den Bergen kommt die Ebene. Und wie! Raus aus einer Schlucht, raus in den Terai, Nepals Anteil an der Ganges-Ebene. Sogleich war`s absolut flach. Dass Berge so rasch verschwinden koennen! Dafuer hatte es nun ueberall Menschen. In den folgenden Tagen wurde mir dann klar: natuerlich ist die Ganges-Ebene so flach, so viele Leute, da hat`s einfach keinen Platz mehr fuer so was raumintensives wie Berge.

Ich ueberschritt die Grenze zu Indien bei Sunauli, wo eigendlich nur das selbst zu suchende Immigrationsbuero einem anzeigt, dass man nun auf anderem Territorium rumrollt. Ich hatte mich nun 3 Tage lang mit dem ueberholen und ueberholt werden auf einer emsig befahrenen Strasse nach Varanasi zu beschaeftigen. Auf den normal breiten Strassen tummelten sich Fussgaenger, haufenweise Velofahrer, Velo- und Autorickshaws, (wenige!) Autos, Lastwagen und allerlei Zwitterfahrzeuge derelben, ab und zu trampelte auch ein Elephant entlang der Strasse. Wie in Nepal ist natuerlich auch hier ein Huupi, resp. eine Klingel, das wichtigste Utensil am Fahrzeug, einen heiden Dauerlaerm anrichtend. Waehrend die Lastwagen versuchten mir beim Ueberholen das Trommelfell zu zerhornen scheinen die Velofahrer eher einen unglaublichen Spass gehabt zu haben mich immer wieder zu ueberholen und veranstalteten auf ihren Klapperkisten kleine Wettrennen mit mir. Ich liess ihnen diese Freude. Daneben sind die Leute erstaunlich zurueckhaltend und habe ich einmal in einer Ortschaft (das ist da wo die Haeuser etwas dichter stehen) angehalten, so hat es meist einige Minuten gedauert bis sich eine meist stumm bestaunende Menschenmege um mich versammelt hat. Als ich kurz einem Cricketspiel an der Strasse zugeschaut habe musste ich jedoch rasch feststellen, dass ich offenbar interessanter bin als das Spiel selbst und alsbald war ich nicht nur vom Publikum umringt, auch die Spieler selber sind herbeigerannt um zu sehen welcher Exot sich denn da fuer ihr Spiel interessiert. Da schaut man denn in all die froehlichen Gesichter und macht sich alsbald aus dem Staub.

Nun bin ich also in Varanasi, einen der heiligsten Hinduorte in Indien und der Ort wo sich die Leute so gerne ins schlammige Wasser des Ganges werfen um sich die Suenden vom Leibe zu waschen, ungeachtet dessen, dass da ab und zu eine Leiche vorbeischwimmt. Varanasi ist ein beliebter Bestattungsort, wo einige der beruehmten Gahts (Treppen) am Ufer speziell fuer Beisetzungen da sind. Die Koerper werden, von Bandagen umhuellt, einfach dem Wasser uebergeben, in aller Oeffendlichkeit. Fuer uns pruede Westler wirkt dies doch eher befremdend, fuer die Indier ist es offensichtlich der natuerlichen Lauf des Lebens.

Waehrend da also einige ihre lange letzte Reise im Ganges schaukelnd in Richtung Golf von Bengalen antreten, zieht es mich, quicklebendig wie ich zum Glueck noch bin, stromaufwaerts mit dem naechsten Ziel der Tempel von Khajuraho vor Augen.

Res aus Gwalior (Indien)
schrieb am 11.02.2004 um 09:00 Uhr:

Ich habe mich umgeleitet, kurzentschlossen in Chatarpur. Ich werde nicht nach SE nach Mumbai zu Ende rollen sondern rauf nach Norden in Richtung DELHI! So kann ich es gemuetlich nehmen und mir noch einiges ansehen, bevor ich dann Ende Februar wieder in die kalte Schweiz zurueckkehren werde. Hier im noerdlichen Herzen Indiens ist es so richtig angenehm, mit warmen sonnigen Tagen und angenehm kuehlen Naechten, schlicht wie ein perfekter Sommer.

Nach dem absolut chaotischen Varanasi (Benares) habe ich mich nach einem deftigen, morgendlichen Gewitter auf den Weg nach Allahabad gemacht, auf einer einmal mehr stark befahrenen Strasse. Der Gewitterregen hat die Strasse verbreitet in eine wunderschoene Bruehe verwandelt und mein frisch geputztes Rad hat sich in all den hier so verbreiteten, huebschen brauntoenen des Strassenrandes schmuecken koennen. Beim reinigen darf dann nicht zu weit denken, nicht an all die Kadaver (hauptsaechlich flache Hunde) und nicht an all die Menschen, die hier am Strassenrand kauernd ihr Geschaeft verrichten. Die indische Strasse, das laengste Klo der Welt.

Die Leute an der Strasse winkten mir oft zu und wollten mich zum anhalten bringen. Aber da ich an Fragen wie "What`s your name?" and "Where are you from?" (das ist meist fast alles Englisch das sie koennen) und natuerlich "Rupees!?" und "Pen?" hinausgehen, nicht allzu sehr interessiert gewesen bin, winkte ich in der Regel freundlich zurueck und versuchte beim erneuten Blick auf die Strasse den neu vor mir auftauchenden Hindernissen auszuweichen. Winken kann hier gefaehrlich sein. Einmal hielt ich dann doch an um ein wenig Volleyball mit ein paar Jungs zu spielen. Die spielen gar nicht mal schlecht! Und natuerlich ein riesiges Publikum

Wesshalb mein tapferes Drahteseli hier so interessant ist habe ich inzischen begriffen: hier gibt es keine Velos mit Schaltungen! Nicht einmal habe ich unter den abertausenden von Velos eines gesehen, dass auch nur eine Uebersetzung gehabt haette. Sowas braucht man hier ja auch kaum. Indien ist fast immer flach, hier jedenfalls.

Bei Allahabad, einer weiteren heiligen Hindu-Pilgerstadt, dann eine riesige Zeltstadt am Zusammenfluss von Ganges und Yamuna. Orte, an denen zwei Fluesse sich vereinigen gelten als besonders heilig und jeder glaeubige Hindu hat das Beduerfnis hier einmal im Leben seine Suenden abzuwaschen. Interessant zuzusehen, aber was fuer eine gesegnete Bruehe nach dem Regen!

Allahabad selbst ist eine verhaeltnismaessig ruhige und saubere Stadt mit gemuetlichen Strassenrestaurants und man sieht ihr die 2 Millionen Einwohner gar nicht mal an. Die All Saints Cathedral die hier ehrwuerdig auf einer grossen Rondelle steht, zeigt mir erstmals ein Bild des englischen Kolonialindien. Sie scheinen die Englaender hier nicht zu moegen, begreifflich, weiss man wie sehr diese Indien bluten liessen. Dass ich jedoch wiederholt hoeren musste, dass sie Hitler bewundern, das hat mir dann mehr zu denken gegeben. Wie unwissend doch auch gebildete Leute sein koennen. Der einzige Grund fuer diese Verkennung ist wohl im Nazizeichen, dem auf eine Ecke gedrehte Swastika, zu suchen, einem der heiligsten Symbole der Hindus.

Nach Allahabad hab ich dann Indien lieber gewonnen. Ich habe mich auf kleinere Strassen konzentriert, mich heillos verfahren, aber auch das angenehme, laendliche Indien kennengelernt. Nachdem ich die Ausgrabungsstaedte von Kausambi mit Grundmauern aus der Zeit des maechtigen Mauren-Imperators Ashoka gefunden hatte (3.Jhd vor Chr., aber einen Besuch kaum wert), fuhr ich durch die hier ueberall bluehenden Rapsfelder um ein nicht existierenden Uebergang ueber den Yamuna zu finden. Beim Eindunkeln strandete ich in Sarira, einem groesseren Dorf im allueberall bewohnten indischen Nichts. Pushkar, ein junger Brahmin, vermittelte mir ein Platz in einer kleinen privaten Klinik um mein Maetteli auszubreiten. Abhishek, der "Chefarzt", hat mich ohne zu zoegern breitwillig aufgenommen und mich gleich zu einem Nachtessen bei einer muslimischen Familie mitgenommen, bei er eingeladen war. Anlass war das Opferfest "Id al-Adha", das "grosse Fest" im Islam. Sehr gut das Essen (nicht scharf)! Und die Leute so nett, ohne es auf meine Batzeli abgesehen zu haben (leider kaum moeglich wo es nur ein wenig touristisch ist). Dabei sind die Leute hier wirklich arm. Indien ist arm, abgesehen von einer kleinen reichen, oberkorrupten Oberschicht. Die Korruption ist zusammen mit der Ueberbevoelkerung und der Umweltverschmutung sicher eines der groessten Probleme in diesem riesigen Land. Der Abend bei der muslimischen Familie hat mir aber gezeigt das die Leute erstaunlich tollerant sind. Auch wenn man bei uns oft von den Zusammenstoessen zwischen Hindus und Anhaengern des Islams hoert, nicht zuletzt durch die Spannungen mit Pakistan, so scheint das Zusammenleben meist doch gut zu klappen. Und das schoenste: sie sind sogar Stolz darauf.

Ich lies mich dann gerne ueberreden einen Tag in Sarira zu verbringen. Mir wurde das Landleben, das Dorf und die Umgebung gezeigt. Am Abend war ich dann bei Pushkars Familie eingeladen, bei Kerzenlicht, die Elektrizitaet war wieder einmal zusammengebrochen. Dies hat dem excellenten Essen (Puris = fritierte Broetchen, Mangochatni und Gemuese) eine umso schoener Atmosphaere verliehen. Fuer unsereins ungewohnt: nach dem Essen verabschiedet man sich sogleich und parliert nicht mehr lange rum. Das war schon in Nepal so.

Am naechsten Tag habe ich dann dank guter Anleitung eine Pontonierbruecke ueber den Yamuna gefunden. Ich fuhr ueber Chitrakut, wo die wichtigsten Hindu-Gottheiten Vishnu, Shiva und Brahma zum ersten mal geboren sein sollen, weiter nach Atarra. Wie schoen es hier sein kann wenn es kaum Verkehr hat! Und es hat Huegel, welche wunderschoen mit Granitfelsen und Tempeln geziert, herrliche Aussichten in die Ebene bieten! Das gelb der Rapsfelder scheint ins unendliche zu verlaufen. Nach einer beschwerlichen Abkuerzung, natuerlich mit wiederholter Wegsuche, bin ich dann in Khajuraho angekommen, wo rund 1000 Jahre alte Tempelbauten eine der Hauptattraktionen Indiens darstellen. So wunderschoen die Architektur der 22 bis zu 30m hohen Gebilde ist, hat sie in erster Linie die erotischen Skulpturen die sie Zieren, beruehmt gemacht. In aller Detailtreue wird dargestellt, was beweisst, dass Pruederie zu dieser Zeit nicht Sache der Herrscher war. Sex-Szenen sind ebenso verbreitet wie sodomistische oder auch kriegerische Darstellungen. Die wichtigsten Tempel stehen heute in einem Park der besonders am fruehen Morgen eine Atmosphaere alter Zeiten verspueren laesst. Zum Glueck hatte es nur wenige andere Touristen. Hier herrscht aus unerklaerlichen Gruenden Dauertourismusflaute, wie man mir erklaert hat. Mir war`s recht.

In Chatrapur, nur gerade rund 50km nach Khajuraho, habe ich dann die Entscheidung meiner Umleitung gefaellt und so bin ich denn rauf weiter nach Nordwesten, in Richtung der Burg und Tempelstadt Orchha, geradelt. Bereits entlang der Strasse waren zahlreiche kleine Palaeste und Tempel zu sehen und in Orchha selbst glaubt man sich in eine andere Zeit zurueckversetzt, besonders wenn man etwas in der Umgebung rumwandert. Ueberall stehen oft zerfallene und ueberwucherte Anlagen und man kann nur erahnen welche Pracht hier im 16.Jhd einmal gewesen sein muss. Vereinzelte blaue Kacheln lassen erkennen dass die heute grauen, verlassenen Bauten einmal eine wahre Farbenpracht wie aus tausend und einer Nacht versprueht haben. Die riesigen Burgpalaeste in Jhansi und vor allem von Datia und nun Gwalior waren darauf weitere Zeugen alter Bluehte dieser Gegend, die in grossem Kontrast zur heutigen Armut stehen.

In ein paar Tagen gedenke ich in Agra vor dem Taj Mahal zu stehen und dann ist es (mit einigen geplanten Umwegen) ja nicht mehr sehr weit ins Chaos von Delhi, meinem Sprungbrett Heim in die winterliche und geordnete Schweiz. Bis dann.

Res aus DELHI (Indien)!!
schrieb am 18.02.2004 um 16:51 Uhr:

Give me plane.

Ich bin im erstaunlich ruhigen Delhi angelangt und damit am Ende einer langen Reise.

In Gwalior habe ich einen Ruhetag eingelegt um die schier endlos scheinende Burg auf dem Huegel ueber der Stadt anzuschauen. 3km ist die lang! Gibt`s irgendwo eine groessere? Hinter den Mauern mag sie leider nicht mehr zu ueberzuegen, will heissen, ausser ein paar ueberig gebliebenen Tempeln und Palaesten ist nichts Altes mehr zu sehen. Ein grosser Fernsehturm zerstoert noch gaenzlich das Bild. So bleiben mir vor allem die alten in den Felsen gehauenen Jain-Buddahstatuen ausserhalb der Mauern als wirklich sehenswert in Erinnerung.

Ihr seht, ich bin nun von Burg zu Tempel und weiteren Sehenswuerdigkeiten gefahren, wie all die anderen Touristen, und so sollte es auch weiter gehen. Als naechstes ist Agra und das Taj Mahal auf dem Programm gestanden, touristischer Hoehepunkt also. Alle Inder, Touristen, Buecher, alle haben mir erzaehlt wie unbeschreiblich schoen dieses "extravaganteste Monument das je im Zeichen der Liebe gebaut worden ist", sei, ein Muss! Zuerst einmal musste ich die eintoenigen 100km dorthin abstrampeln um dann am naechsten Morgen vor geschlossenen Tueren vor dem Taj zu stehen. Freitags geschlossen. Na dann halt, wenn`s so einmalig ist, so soll es sich lohnen einen Tag zu warten. Und es hat sich gelohnt, trotz des saftigen Eintrittgeldes! Die Architektur ist piikfein, schlicht perfekt. Besonders im ersten Licht des Tages spuert man trotz des Besucherstroms eine mystische Aura die das Mausoleum ungibt. Schwer zu beschreiben.

Fatepur Sikri, die verlassene Stadt von Akbar aus dem 16.Jhd im Westen von Agra, war mir danach den naechsten Stopp wert, bevor es zum Vogelparadis im Kaeladeo Ghana Nationalpark ging. Alles schoen und gut, aber ich fuehlte mich sogleich wohler als ich wieder auf kleinen, wenig befahrenen und nicht touristischen Wegen in Richtung Delhi bewegen konnte. Die Leute sind da einfach viel angenehmer, unverdorben! Da es hier keine Hotels gibt und die Dharamsalas, die “Rest Houses”, zwar gratis fuer Inder, fuer Auslaender aber leider nicht zugaenglich sind, ist man auf die Hilfe der Bevoelkerung angewiesen. Und die waren sehr hilfreich! Im kleinen Drof Sikri konnte ich bei einer Familie uebernachten die mich wieder einmal mit allem eingedeckt haben was sie hatten, mit koestlichem Essen und einem weichen Bett. Ich wurde durch den Bazar gefuehrt und vielen vorgestellt (Ja, das ist anstrengend). Am naechsten Morgen durfte ich erst losfahren, als ich bei einem Bauern ausserhalb des Dorfes gefruehstueckt hatte. Er gehoert der Sik-Religon an, die aus der Verschmelzung von Ideen und Braeuchen von Islam und Hindusmus entstanden ist. Mit seinem schoenen Turban und dem schwarzen Vollbart hat er so richtig orientalisch ausgesehen, um so erstaunlicher war es fuer mich wie weltgewandt und offen er sich zu geben wusste, ein gebildeter Mann.

2 Tage spaeter bin ich nun in Delhi angekommen. Hier ist alles anders. Die weiten, sauberen Alleen und Strassen in New Delhi, die grossen Buerobauten vor der Stadt, die nun hier zahlreichen Autos und die westlich gestileten Restaurants, all dies hat mit dem einfachen Landleben zuvor nicht mehr viel gemeinsam. Delhi macht mir, jedenfalls im Zentrum, den Eindruck einer verhaeltnissmaessig modernen und zivilisierten Stadt mit nur maessigem Verkehr. Was hatte ich mir doch fuer Schreckensbilder gemacht! Aber ich habe irgendwie die bestimmt vorhandenden Slums am Stadtrand umfahren und nicht gesehen. Old Delhi wird wohl eher dem "echten" Indien entsprechen... .

Ich werde nun in den naechsten Tagen meinen Heimflug organiseren und hoffendlich auch bald realisieren! Es zieht mich nun doch Heim in die gemaessigeten Zonen.

Res aus Delhi (Indien)
schrieb am 19.02.2004 um 16:10 Uhr:

Ein kurzes Delhi-Gastspiel, das ich da biete.

Ich habe meinen Flug! Morgen um 20:15 Uhr sollte ich nach einer Zwischenlandung in Taschkent in Paris landen! Der Flug hat sich gerade perfekt angeboten und so radle ich ein letztes, wohl wieder kaltes Teilstueck von Paris in die Schweiz. Wie lange benoetige ich da? 6 Tage? So in etwa, also kann man mit mir wohl am 27.Februar in der Schweiz rechnen. Ob Usbekistan Airways mit meinem Drahteseli umgehen kann? Ich hoff`s.

Goodbye Asia.

Res aus Paris (Indien)
schrieb am 21.02.2004 um 00:07 Uhr:

Bin in Paris! Kalt ist es hier und der Abend, resp. die Nacht nicht eben schoen am Flughafen. Aber am Morgen geht's dann ja los in Richtung Schweiz! Alles ist heil angekommen und die 20kg Uebergewicht habe ich nicht mal berappen muessen.

Und jetzt heisst's also parler francais, mon dieu!

Res aus Langenthal (Indien)
schrieb am 25.02.2004 um 11:59 Uhr:

Zu Hause!

In Frankreich habe ich rasch vor dem Dauerregen kapitulliert und bin in Troyes in den Zug gestiegen. Sowas brauchte ich nun wirklich nicht mehr. So bin ich am Abend des 22.Januars in Basel angekommen und konnte mich bei Bruderherz und Andle in ein warmes, weiches und duftendes Bett nach heisser Douche legen. So was schoenes.
Fuer alle dies noch nicht wissen: da traut sich was! Am 15.Mai 2004 schwaegert mir Andle! (www.mirtrouenis.info)

Am naechsten Tag gab's dann einen gemuetlichen Wintertag in Basel mit Anna bevor ich mich am Abend auf nach Bottighofen machte um endlich wieder einmal mein Suesses Ding, sprich Mei-Lin, in die Arme zu schliessen! So lange habe ich sie alleine gelassen, wie konnte ich nur.

Seit gestern Abend bin ich nun in Langenthal, bei Mueti und Vati. Zu Hause ankommen ist halt auch schoen. Und draussen glitzert der Schnee, so richtigen Winter hatte ich nicht erwartet, aber er ist herrlich. Also: fuer Schkituurli bin ich dann auch wieder zu haben.

Und: wer kommt am Friti Obe wieder einmal zu einem Eggerchen ins Chraemi? 8 Uhr?

 

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